Stillose Masslosigkeit

Der Lifestyle-Blog «Leben mit Stil» auf Züriost behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute geht es um zu volle Teller im Restaurant.

von
Lea
Chiapolini
Uhr

In unserer Redaktion schwelt schon seit Jahren der Streit «Essensreste aus dem Restaurant mitnehmen: ja oder nein». Regelmässig werden Diskussionen entfacht, nicht nur wenn gerade ein Restaurantbesuch über Mittag ansteht. Die Pro-Argumente: Foodwaste bekämpfen, das gute Essen ein zweites Mal geniessen, den Wert des bezahlten Preises ausschöpfen. Die Kontra-Argumente: Pures Bünzlitum, Knausrigkeit, Stillosigkeit. Der sogenannte «Doggy-Bag» wurde von einem Kollegen der Kontra-Fraktion auch schon als «Robidog-Säckli» bezeichnet.

Ich gehöre in diesem Disput klar zum Pro-Komittee. In Restaurants, in denen ich weiss, dass es möglich ist die Reste mitzunehmen, esse ich sogar manchmal bewusst nur die Hälfte. Die Überlegung, dass ich das von mir berappte Essen auch konsumieren möchte, finde ich nicht knausrig, sondern logisch. Natürlich würde ich mich nie getrauen, in einem Luxus-Restaurant nach einem «Doggy-Bag» zu fragen. Da fürchte ich mich vor einem potenziellen Nasenrümpfen der eleganten Bedienung, die mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Kontra-Fraktion gehören wird. Ein bisschen Anstand habe ich schon. Und in Luxus-Restaurants verkehre ich sowieso selten.

Vor Kurzem äusserte sich Knigge-Expertin Susanne Zumbühl gegenüber «20min» zum Thema. Auch Sie findet es «ein bisschen daneben», wenn man im Restaurant danach fragt, ob man die Reste mitnehmen dürfe. Werde einem das Einpacken der Reste aber angeboten, dürfe man das Angebot ohne schlechtes Gewissen annehmen.

Ich hingegen finde es «ein bisschen daneben», wenn in einem Restaurant so viel auf einen Teller gehäuft wird, dass kein normaler Mensch diesen leeren könnte. Kleine Portionen bieten nicht alle Küchen an. Somit sind die Portionen sowieso oft zu gross, als dass man sich mit dem zum bersten vollen Magen am Nachmittag überhaupt noch auf die Arbeit konzentrieren könnte.

Das Argument, die Reste mitzunehmen sei stillos, finde ich darum an den Haaren herbeigezogen. Im Gegenteil: Sich bewusst dafür zu entscheiden, gutes Essen wegzuwerfen, ist für mich der Gipfel der Mass- und Stillosigkeit.  

Autor: Lea
Chiapolini