Warum ich immer noch «Pokemon Go» spiele

«Leben mit Stil» ist der Lifestyle-Blog von Züriost und behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute: Eine Redaktorin erklärt, warum sie immer noch Pokemon Go spielt, auch wenn der Hype schon längst vorbei ist.

von
Deborah
von Wartburg
Uhr

Ja, ich spiele immer noch Pokemon Go.

Und ich bin weder hängengeblieben, noch ein sechzehnjähriges Pubertätsbündel mit zu viel Zeit und Eltern, die jeden Techniktrend in ein Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk verwandeln müssen. Ich habe einfach noch Freude an dem Spiel. Nicht dass ich besonders gut darin wäre oder übermässig viel Zeit investiere, ich mach es einfach ab und zu wenn es gerade passt.

Manchmal auch wenn es überhaupt nicht passt, wenn ein wirklich gutes oder seltenes Pokemon in der Nähe ist. Für ein Pinsir oder ein Amonitas bin ich auch schon aus dem Tram ausgestiegen und habe dann das nächste genommen. 

Meine Freunde fragen jeweils, was mit mir los sei, wenn sie sehen wie ich noch schnell den Tagesbonus hole oder ein Voltoball fangen muss. Auch, dass das App im Tram geöffnet sein muss, wegen der Kilometer für die Eier und die Bonbons können die meisten meiner Bekannten nicht nachvollziehen.

«Das ist doch schon seit langem wieder out», «Was, du spielst das immer noch?» muss ich mir jeweils anhören. Ich versuche dann immer erfolglos zu erklären, dass es mir eben genau nicht um den Hype geht, sondern dass ich das Spiel wirklich spiele, weil es Spass macht und eben auch verdammt süchtig.

Ich gebe zu, mittlerweile beeinflusst es meinen emotionalen Zustand schon ein bisschen. Entwischt mir ein seltenes Pokemon, bin ich schon mal den Tränen nahe. Fange ich ein wertvolles oder kann eines zum ersten Mal weiterentwickeln, klopft mein Herz wild vor Freude.

Auch habe ich zu vielen meiner Pokemons eine persönliche Beziehung. Ich weiss genau, wo ich welches gefunden habe. Einmal habe ich ein Lahmus – mein Einziges zu jener Zeit – aus Versehen an den Professor verschickt (Für nicht Pokemönler:  Das macht man mit doppelten Pokemons, um Bonbons zu kriegen, mit denen man es dann entweder weiterentwickeln oder stärker machen kann). Meine Welt ging kurz unter. Ich fühlte mich als hätte ich meine eigene Katze überfahren. Mein Kind verkauft. Einfach nur schlimm. Zum Glück konnte ich bald ein neues Lahmus fangen.

 

Gemäss «The Pokemon Company»-Präsident Tsunekazu Ishihara ist es die Nostalgie, die das Spiel so erfolgreich macht. Doch ich habe als Kind weder Pokemon im TV geschaut, noch am Gameboy gespielt (höchstens mal bei Freunden), noch die Karten getauscht. Bei mir muss es also was anderes sein als Nostalgie.

Der Sammeltrieb ist definitiv ein Grund, warum das Spiel süchtig macht. Der funktioniert bei Pokemon nämlich auf mehreren Ebenen. Erstmals will man seinen Pokedex komplettieren, das heisst von jeder Art Pokemon inklusive aller Weiterentwicklungen eines besitzen. Das ist das Oberziel. Aber bis dahin gibt es viele Etappensiege. Denn um ein Pokemon weiterentwickeln zu können, braucht man davon eine bestimmte Anzahl Bonbons, die man sammelt oder «erläuft» (das GPS misst die Kilometer, die man mit offenem App macht). Geduld zahlt sich aus. Und auch unerfahrene Gamer wie ich können immer wieder Erfolge feiern. 

Dass ich das Spiel immer noch spiele, hat aber auch einen anderen Grund. Ich bin einfach neugierig, wie es mit Pokemon Go als massenbewegendes «Augmented Reality Spiel» weitergeht. Ständig gibt es neue Aktualisierungen, die das Spiel verbessern oder verändern. Im 2016 waren das zum Beispiel die Kumpel-Funktion oder die erleichternde «In-der-Nähe-Darstellung». Auf nerdigen Foren im Internet habe ich gelesen, dass 2017 die Baby Pokemons kommen. Die erscheinen zwar mittlerweile auf dem Startbildschirm, nur gesehen habe ich noch keins.

 

Auch bald Realität werden dürfte die langersehnte Tauschfunktion. Bei der mache ich mir allerdings ein bisschen Sorgen, dass man dann bald überall in den Medien von Fällen lesen muss, in denen jüngere Schüler von den grösseren zu unvorteilhaften Tauschs gezwungen werden. Anstatt des klassischen Schulbrot-Abziehens. Da steht dann: Lapras gegen Taubsi statt Salamibrötli gegen körperliche Unversehrtheit.

Die Entwickler springen auch auf saisonale Events wie Weihnachten oder Halloween auf. So gab es gegen Ende Oktober vermehrt Geist-Pokemons zu fangen, um Weihnachten gab es Pikachus mit Weihnachtsmützen usw. Mir ist bewusst, dass das in der Theorie ziemlich doof klingt. Wenn es einem gelingt ein Pikachu zu fangen, das eine Weihnachtsmütze trägt, freut man sich trotzdem.

Und bald, wenn ich genug Bonbons habe, werde ich mein Weihnachtspikachu zu einem Weihnachtsraichu weiterentwickeln. Ich bin gespannt, ob es dann immer noch die Mütze auf hat, in einem Forum stand, dass dem so sei. Falls ja, wird mein Herz wieder einen kleinen Hüpfer machen, auch wenn der Grund zugegeben leicht bescheuert ist. 

Mein Weihnachtspikachu:

Autor: Deborah
von Wartburg