Bis zum Mond und zurück

Nicolas Lindt aus Wald ist weit über die Kantonsgrenze hinaus bekannt – als Gestalter von Trauritualen ebenso wie als Buchautor und Kolumnist. Auf Züriost berichtet er in seiner Kolumne von Begegnungen bei Trauungen, Taufen oder auch Abschieden. Diesmal ein Blick zurück auf eine Trauung im letztjährigen Sommer, die auch ein Jahr danach von ihrer Ausstrahlung noch nichts eingebüsst hat...

von
Nicolas
Lindt
Uhr

Als es dunkel wird, geht der Vollmond auf
(Bild NL)

Eine weitere Trauung in der „Moschti“ in Stäfa, deren Garten wie eine Bühne über dem Zürichsee steht, sodass sich die ganze Weite des Seebeckens vor dem entzückten Auge entfaltet. Ein Bilderbuchtag – diesmal für Nicci und Christoph, die sich übers Internet kennen gelernt haben, obwohl sie im gleichen Dorf aufgewachsen sind und viele gemeinsame Freunde haben. Doch offenbar war die Zeit für ihre Begegnung viele Jahre lang noch nicht reif – bis es dann soweit war und sie einander entdeckten.

Noch immer verletzt vom Ende einer früheren Partnerschaft bleibt Nicci in den ersten Wochen zurückhaltend, um keine neue Enttäuschung erleben zu müssen. Christoph lässt ihr Zeit, doch eines Abends will er von Nicci wissen: Was fehlt denn noch, dass du ganz Ja zu mir sagen kannst?

Nicci antwortet: Eigentlich nichts mehr. Wir sind höchstens 100 Schritte vom Ziel entfernt.

Darauf nimmt Christoph seinen Schatz bei der Hand und schlägt ihr einen kleinen Spaziergang vor. Draussen erwartet sie ein kalter Novemberabend, doch Christoph lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen und spaziert mit Nicci der Strasse entlang. Dabei zählt er die Schritte, und als sie bei einer grossen Tanne ankommen, hat er 100 Schritte gezählt. Er bleibt stehen und sagt zu Nicci:

100 Schritte hast du gesagt, fehlen noch. Jetzt sind wir am Ziel.

Dagegen kann Nicci nichts einwenden – und sie will auch nicht. In diesem Moment wurde beiden klar: Es gilt. Es gilt zwischen uns.

*

Die schöne Geschichte geht aber noch weiter. Eineinhalb Jahre später, sie wohnen inzwischen bereits zusammen, schenkt Christoph seiner Liebsten ein Bilderbuch, das von zwei Hasen handelt. Der kleine Hase will vom grossen Hasen immer wieder von neuem wissen: Wie fest hast du mich gern, und der grosse Hase beschreibt seine Liebe zum kleinen Hasen immer grösser und grösser, bis er zuletzt sagt:

Ich habe dich sooo fest gern: Bis zum Mond und wieder zurück!

An der Trauung in der „Moschti“ bringen die Patenkinder des Brautpaars die Ringe nach vorn – und was steht eingraviert in den Ringen? Auf dem einen Ring steht: Bis zum Mond… und auf dem zweiten: …und bis zurück. So wird der gute Mond auf immer die Liebe der beiden begleiten.

Was Nicci und Christoph aber nicht gewusst haben, als sie die Hochzeit auf den 29. August 2015 legten: Dass am Abend des Tages, als es dunkel wird, der Vollmond über dem Zürichsee steht.

Autor: Nicolas
Lindt