Hallo, Müffel-Trüffel!

Im Foodblog dreht sich alles ums Essen. Diese Folge widmet sich einer überbewerteten Edelknolle.

von
Stine
Wetzel
Uhr

Dass die Knolle mit dem modrigen Geruch eine Delikatesse sein soll, war mir lange unbegreiflich - bis ich Trüffel-Brie probierte. (Bild: Stine Wetzel)

Es hätte so schön sein können: Ich sass in einem Gourmetrestaurant in der Surselva. Dicker Eichenboden, Wände aus Valser Quarzit, von der Decke abgehängte Kerzenpodeste, ein Kamin. Der piekfeine Kellner empfahl den Fünfgänger. Der Gault-Millau-Koch wird schon wissen, was er tut, dachte ich, und legte die Karte ungesehen bei Seite.

Dummerweise hatte der Koch anscheinend eine riesige Trüffellieferung bekommen. Es gab Brot mit Trüffelbutter, Weissweinrisotto mit Trüffelscheiben, Trüffelkalbsbratwurst. Nichts, aber auch gar nichts blieb von dem Aroma verschont.

Der Hype um Trüffel war mir immer unverständlich. Dass die Knolle mit dem modrigen Geruch eine Delikatesse sein soll, ging mir nicht in den Kopf. Und dass der Moschusgeschmack überall als wunderbar würzig gepriesen wird, auch nicht. Für mich war er vor allem eines: ekelhaft.

Klar, Trüffel ist Geschmackssache. Und der Superkoch kann nichts dafür, dass ich anscheinend ein kulinarischer Banause bin. Aber mal ehrlich: Dieses schwarz-violette Fruchtfleisch, durchzogen mit weissen Adern (im Falle von Schwarzem Trüffel), das anfängt zu stinken, wenn man es zwei Wochen liegen lässt, soll der Edelstein des Bodens, dieser Müffel-Trüffel das weltweit teuerste Lebensmittel sein?

Trüffel brauchen über zehn Jahre, um zu reifen. Der Pilz hängt sich an die Wurzeln eines Baumes oder Strauchs. Und damit bilden Pilz und Baum ein Pärchen für die nächsten Jahre. Der Baum versorgt das Pilzchen mit Zucker. Der Trüffel hilft dem Baum mit seinen Pilzfäden an Wasser und Mineralien zu kommen.

Erntet man den Trüffel, macht man das Jahrzehnt-System kaputt. Dass 100 Gramm Schwarzer Trüffel schnell mal 70 Franken kosten können, leuchtet da ein. Dass man das teure Gut dann aber auf Pasta hobelt, um dem einfachen Gericht einen Hauch von Luxus zu verpassen, weniger.

Bis vor Kurzem hatte Trüffel in meiner Küche nichts zu suchen. Aber ich bin bekehrt worden. Und zwar von Trüffelkäse – ausversehen. Er lag auf einer Käseplatte, dann auf meinem Teller. Der Brie hatte eine wunderbare Füllung: kernig-würzig im Geschmack. Als ich darüber aufgeklärt wurde, dass ich das Loblied auf Trüffel-Brie angestimmt habe, staunte ich nicht schlecht. Ein Trüffelliebhaber bin ich zwar immer noch nicht, aber ein Trüffelkäseliebhaber schon.

Trüffel-Brie gibt es zum Beispiel bei natürli aus Saland (130 Gramm für 8,70 Franken)

Autor: Stine
Wetzel