Fast-Food auf jamaikanisch

Im Foodblog dreht sich alles ums Essen. Diese Folge widmet sich der jamaikanischen Esskultur.

von
Janko
Skorup
Uhr

Patties - Jamaikas inoffizielles Nationalgericht. (Bild: Fotolia)

Andere Länder, andere Tischsitten. Die letzten zwei Wochen war ich in Jamaika in den Ferien. Da habe ich bei meinem Freund Jason in Kingston gelebt – er hat mich bewirtet wie in einem Hotel. Und ich durfte feststellen wie unterschiedlich die Esskulturen doch sind.

Ein Beispiel: Jason tischt für uns beide Fisch an einer sogenannten Brown-Stew-Sauce mit weissem Reis auf, entschuldigt sich kurz und geht in die Stube. Keine Ahnung, was er da macht. Aber ich denke mir, dass es so lange ja nicht dauern kann, und warte anstandshalber mit Essen.

Als Jason nach gut fünf Minuten zurückkommt schaut er verdutzt und sagt: «Stimmt etwas mit dem Essen nicht? Du hast es ja gar nicht angerührt.» Ich erkläre ihm, dass es sich in der Schweiz gehört gemeinsam mit dem Essen zu beginnen und zu Beginn «Guten Appetit» zu sagen. «Wirklich? In Jamaika machen wir das nicht», sagt er.

Von Jasons sehr gläubigen, christlichen Adoptiveltern hätte ich erwartet, dass es zumindest ein Tischgebet gibt. Doch nichts da. Als wir ihnen vom Drive Through wie bestellt zwei Boxen mit Chicken-Wings, -Breasts, -Necks und –Legs zum Abendessen bringen, beginnen die beiden das Geflügel sofort regelrecht herunterzuschlingen.

Ohnehin beherrscht Fast-Food das Land. Die Jamaikaner verpflegen sich regelmässig in KFC, Burger King, Wendy’s oder TGI Friday’s. Die fleischlastige Küche ist für mich als Vegetarier ein Graus. Zum Glück ernähren sich Rastafaris meist «I-tal», weshalb man immer mindestens ein Vegi-Angebot findet.

Auch sehr populär: Patties, das Fast-Food-Nationalgericht. Und das hat es in sich: Es sind mit Rind, Schwein, Poulet oder Soja gefüllte, gebackene Teigtaschen. Bestellt man sie mit Coco-Bread, also mit Brot umhüllt, bekommt man die absolute Kohlenhydratbombe.

Kein Wunder, sind gemäss der Zeitung «Gleaner» 80 Prozent der jamaikanischen Frauen übergewichtig. Das scheint aber niemanden zu stören: Die Männer stehen auf Kurven und vor allem auf grosse Hintern.

Autor: Janko
Skorup