Halsbrecherische Klettereien

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag. Heute gehts um die gefährlichen Kletter-Abenteuer meines 14 Monate alten Mädchens.

von
Fabian
Senn
Uhr

Ronja erklimmt ihren Trip Trap innert Sekunden. (Bild: Fabian Senn)

Das Weinen ist herzzerreissend. Die Tränen kullern heiss über Ronjas rote Bäcklein. Das Elend will kein Ende nehmen, und ich leide wahrscheinlich mehr als meine 14 Monate alte Tochter. Ronja hat einen Sturz auf den Kopf hinter sich – wieder einmal. Sie ist ein Kletteraffe und lässt keine Gelegenheit aus, sich in Gefahr zu bringen. In waghalsigen Aktionen erklimmt sie Treppen, Stühle, Tische, Sofas oder ihren Trip Trap, was bei mir schon manch erschrockenen Aufschrei provoziert hat. Zugegeben, Ronja ist ziemlich trittsicher. Doch Stürze lassen sich nicht vermeiden. Auch wenn ich schon selbst über meine Reaktionsfähigkeit erstaunt war. Zum Beispiel als ich nur mit meinen Zehenspitzen den harten Aufprall von Ronjas Kopf auf dem Steinboden verhindern konnte. Ein akrobatisches Meisterstück, auf das ich heute noch stolz bin.

Dass ich Stürze verhindern kann, kommt leider selten vor. Gibt es Tränen, ist auch Selbstkritik nicht fern. Hätte ich besser aufpassen sollen?, frage ich mich dann häufig. Doch seit Ronja Gefallen am Gehen gefunden hat, wird es immer schwieriger, sie ständig in den Augen zu behalten.

Auch wenn die Stürze inzwischen häufig vorkommen – ich gewöhne mich nicht daran. Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, der Aufschlag mit dem Kopf war heftig. Dann rasen die Gedanken nur so durch meinen Kopf: Hat Ronja einen Schädelbruch, eine Hirnerschütterung? Müssen wir einen Arzt konsultieren? Ich halte Ausschau nach Symptomen wie Benommenheit oder Übelkeit, doch bisher immer erfolglos. Jedes Mal bin ich erstaunt, wie viel diese kleinen Wesen aushalten. Erstaunt bin ich auch, wenn ich sehe, wie Ronja nicht einmal fünf Minuten nach einem heftigen Sturz, den gescheiterten Gipfelsturm erneut in Angriff nimmt. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne mehr Vorsicht walten zu lassen.

 

Fabian Senn ist Redaktor beim «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster». Er lebt mit seiner Familie in Oerlikon, seine Tochter ist 14 Monate alt.

Autor: Fabian
Senn