«Pfui – Gemüse»

Salat? Pfui! Lauch? Igiitt! Wie bringt man ein Kind dazu, auch mal Gemüse zu essen? Bei Gemüsemuffeln ein schwieriges Unterfangen. Mit Zwang? Indem man aus Rübeli und Erbsli lustige Gesichter auf den Tellern formt? Oder der Spaghetti-Sauce Gemüse unterjubelt? Manchmal hilft auch einfach Geduld und Zeit.

von
Beatrice
Zogg
Uhr

Ein Korb voll mit vitaminreichem Gemüse: Allein der Anblick löst bei manchen Kindern eine «allergische Reaktion» aus. (Bild:W.R.Wagner/pixelio.de)

In den Frühlingsferien waren wir im Migros-Restaurant im Einkaufszentrum Glatt. Während ich mich am Gemüsebuffet bediente, wählte mein jüngerer Sohn selbstständig sein Essen an den verschiedenen Abgabestationen aus. Es gab Pommes, Pizza und weitere lockende Fast-Food-Angebote. Dies liess er jedoch beiseite und schöpfte sich in aller Ruhe vom Salatbuffet Gurken, grünen Salat, Tomaten und nahm noch Melonenstücke dazu. Nichts besonderes, finden Sie? Für mich schon. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass mein Sohn freiwillig Salat und Gemüse essen würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Salat?  Pfui! Tomaten? Igiitt!  Auch bei gekochtem Gemüse war die Reaktion bei meinen Sohn bis vor kurzem meist ähnlich – eine Ausnahme machte Rahmspinat und vor allem Brokkoli, dies ass er aus mir unerklärlichen Gründen. Ansonsten aber war er weitgehend ein Gemüse- und Vitaminverweigerer. Apfelsschnitze gingen gerade noch, dann war aber schon fast Schluss mit Gesundem.
An der Erziehung konnte es nicht liegen, unser älterer Sohn isst verschiedenes Gemüse, auch Salat war für ihn nie ein Problem.

Tricksen half nicht

Bei unserem Jüngeren half auch Tricksen nicht. Der Versuch, Gemüse in einer Lasagne oder Auflauf unterzubeln, endete damit, dass die kleinen Stücke akribisch aussortiert wurden. Die Regel, wenigstens alles auf dem Teller zu probieren, endete mit Tränen und manchmal auch mit Herauswürgen der verhassten Vitamine.

Also liess ich es sein. Gemüse gab es zwar weiterhin auf dem Esstisch, gegessen werden musste aber nur das, was einem auch schmeckte.

Wann mein jüngerer Sohn dann erstmals freiwillig Salat essen wollte, weiss ich gar nicht mehr so genau. Er muss vor etwa zwei Jahren gewesen sein. Plötzlich schöpfte er sich Salat und fand es fein. Auch Gemüse entdeckte er nach und nach.

Die Zucchini-Allergie

Heute isst er zwar immer noch nicht alles – Zucchini aber auch Erbsli lösen bei ihm nach eigenen Angaben eine «allergische Reaktion» aus. Lauch, gedämpfte Tomaten, Peperoni oder Bohnen (mit Speck umwickelt müssen sie sein – diesen Kompromiss gehe ich aber gerne ein) sind aber heute alles kein Problem mehr.

Gemüsesticks statt Chips

Es ist sicher so, dass das Essverhalten in der Kindheit geprägt wird und wir Eltern dem Nachwuchs eine breite Auswahl an Lebensmitteln schmackhaft machen sollen.
Unser Sohn hat auch am Mittagstisch der Schule Neues ausprobiert. In Gesellschaft anderer Kinder funktioniert dies meist besser, als wenn Mutter oder Vater am Tisch  darüber wachen, dass genügend Vitamine gegessen werden. Richtig ist aber auch: Mit Zwang erreicht man in der Regel gar nichts. Ein entspannter Umgang beim Essen ist hilfreicher. Das Wichtigste ist wohl aber, als Eltern selbst ein gutes Vorbild sein – auch was die Essgewohnheiten betrifft. Also schön Gemüsesticks statt Chips vor dem Fernseher essen.

Und die Hoffnung nicht aufgeben – dann werden vielleicht aus kleinen Vitaminverweigern eines Tages fleissige Gemüseesser.

Beatrice Zogg ist Redaktorin beim «Anzeiger von Uster»/«Zürcher Oberländer». Ihre Kinder sind 10 und 14 Jahre alt. Sie wohnt mit ihrer Familie in der Gemeinde Volketswil.

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

Autor: Beatrice
Zogg