Der Zaun rund um unsere Kinder

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost. Redaktorinnen und Redaktoren aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Heute geht es um Gärtchendenken und Privatspielplätze.

von
Annalisa
Hartmann
Uhr

Spielplätze, die Orte, an denen Kinder sich austoben, entdecken und entfalten. An denen sie miteinander in Kontakt kommen und es ihren Eltern leicht machen, ebenfalls miteinander in Kontakt zu kommen. Orte, an denen fantasievolle Geschichten entstehen, oder kleine Städte aus Sand. Orte, die man sehr leicht findet, weil das Lachen und Jauchzen schon von weitem zu hören ist. Dieses Bild hatte ich bis vor kurzem von den besagten Plätzen.

Doch seit mein Sohn selber in dem Alter ist, wo Spielplätze interessant werden, habe ich festgestellt, dass es anders ist. Dass ich das Gärtchendenken unterschätzt habe. Denn zum grössten Teil aller Spielplätze in unserem Dorf haben mein Sohn und ich gar keinen Zutritt. Die Schaukeln, Sandkasten und Rutschen sehen wir nur hinter Zäunen und Gittern. Meistens sind sie leer, ab und zu spielen vereinzelte Kinder mit ihren Müttern.

Die Spielplätze gehören zu bestimmten Häusern oder Häusergruppen. So hat jedes Kind genug Privatsphäre, um niemals eine Schaufel abgeben oder an der Schaukel anstehen zu müssen. Schön. Nein. Schön finde ich das nicht. Das Bild von einzelnen Kindern auf ihren Privatspielplätzen tut mir weh. Sie sehen einsam aus. Und ich kann nicht anders als daran zu denken, dass sie vielleicht später alle verwöhnt und asozial sein werden.

Woher kommt dieses Gärtchendenken? Ich frage mich das immer wieder, wenn ich durchs Quartier spaziere, vorbei an all den Zäunen und geschlossenen Türen. Geht es darum, dass die Besitzer der Privatwohnungen zufrieden sind? Geht es darum, dass man genau weiss, von wem der liegen gelassene Abfall wäre, den es an solchen Orten aber nicht gibt? Geht es darum, dass die Eltern die volle Kontrolle darüber haben, mit wem ihr Kind spielt? Dass es niemals eine Überraschung gibt?

Von den Kindern kommt dieses Denken ganz bestimmt nicht. Ich bin dafür, diese Zäune einzureissen. Neue Möglichkeiten zu schaffen, Begegnungen zuzulassen. Oder einfach mal für eine bestimmte Zeit im Restaurant nur noch Einzeltische anzubieten, anstatt Bänke nur noch Hocker aufzustellen, jedem einen privaten Quadratzentimeter See zuzuweisen oder sich am besten gleich selber einzuzäunen und zu schauen, wie sich das anfühlt.

Annalisa Hartmann ist Redaktorin beim Zürcher Oberländer. Sie lebt mit ihrer Familie in Eschenbach. Ihr Sohn ist 15 Monate alt.

Autor: Annalisa
Hartmann