Kreisch-Alarm beim ersten Mal

Es gibt immer ein erstes Mal. Auch für das erste «richtige» Konzert. Am Sonntag, 2. April, trat der deutsche Youtoube-Star Mike Singer im Dynamo in Zürich auf. Der 17-Jährige wird als nächster Justin Bieber gefeiert. Mit allem, was dazu gehört.

von
Beatrice
Zogg
Uhr

Mike Singer - der nächste Superstar? Dem Gekreisch seiner Fans nach durchaus. (Bild: zvg)

Ich wusste, dass ich etwas vergessen hatte. Ohrstöpsel für die Ohren. Nicht wegen den zu lauten Bässen. Nein, die Musik war sehr verträglich. Nicht zu laut, nicht zu leise. Doch ich habe die Schreikraft von rund 400 Mädchen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren unterschätzt. «Wir wollen Mike», wurde zuerst skandiert. Was, Sie kennen Mike Singer nicht? - dann sind Sie garantiert über 17 Jahre alt.

Als der deutsche Youtube-Star die Bühne betrat, war die Teenagermasse im Dynamo-Saal in Zürich nicht mehr zu halten. Hysterisches Kreischen über 100 Dezibel. «Ich liebe dich, Miiiiiiiiike», «Aaaaaaaaah, Schrei, Kreisch». Unglaublich laut. So laut, dass ich mir die Ohren zu halten musste.

Was, den kennen Sie auch nicht?

Was ich als erwachsene Frau an einem Teenie-Konzert zu suchen habe? Ganz einfach: ich habe meine beiden Jungs zu ihrem ersten Konzert begleitet. Der Ältere wäre mit 14 Jahren ohne mich reingekommen, der Jüngere ist mit zehn Jahren zu jung, um ohne Begleitung hinzugehen. So habe ich, am Rande des Saals mit anderen Eltern stehend,  die Teeniehorde und das Konzert angeschaut. Dieses fing letzten Sonntag ganz manierlich um sechs Uhr (!) abends an. Als Vorgruppe trat Vincent Gross aus Basel auf (Was, den kennen Sie auch nicht??), bevor Shooting-Star Mike Singer die Bühne betrat

Live durchs Handy

Mit 12 Jahren hat Mike Singer angefangen bei YouTube Musikvideos reinzustellen, er machte bei der Castinghow «Voice kids» mit. Fünf Jahre später hat der inzwischen 17-Jährige bei Instagram 1,1 Millionen Follower, sein Song «Nur mit dir» wurde im Netz über drei Millionen mal angeklickt. Im Februar ist sein erstes Album Karma erschienen.

Meinen Jungs gefällt die Musik, also habe ich ihnen die Tickets geschenkt. Es war für beide das erste Konzert. Was Mike Singer auf der Bühne genau gesungen hat, hörte ich nur bruchstückhaft. Jede Drehung oder Bewegung des jungen Mannes auf der Bühne wurde mit Geschrei begleitet. Auch die Sicht war suboptimal. Hunderte Handys wurden in die Höhe gereckt, um direkt vom Konzert Fotos für Instagram oder Snapchat zu posten.

Mädchen können laut sein – sehr laut sogar

«Das Konzert war mega, das werde ich nie vergessen», meinte mein Jüngerer kurz nach Konzertschluss, als wir über den Mattensteg beim Platzspitz zurück zum Auto liefen. Draussen war es noch hell, das Konzert war schülerverträglich schon um acht Uhr abends zu Ende. Er hatte einige Teile des Konzertes ebenfalls aufs Handy gebannt. «Die Musik hört man leider kaum. Ich wusste nicht, das Mädchen so laut sein können», meinte er leicht irritiert. Doch, das könne sie. Beide haben eine Lektion gelernt: Nie ohne Ohropax an ein Konzert gehen. Man weiss ja nie.

Beatrice Zogg ist Redaktorin beim «Anzeiger von Uster»/«Zürcher Oberländer». Ihre Kinder sind 10 und 14 Jahre alt. Sie wohnt mit ihrer Familie in der Gemeinde Volketswil.

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

Autor: Beatrice
Zogg