Frühkindliche Rollenverteilung

Gastblogger Martin Liebrich macht sich auf die Suche nach Kleidern für seine Kinder - und muss feststellen, dass Rollen-Klischees auch im Jahr 2017 von klein auf bedient werden.

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Martin
Liebrich
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Elsa, soweit das Auge reicht: Mädchenkäppchen in der Kleiderabteilung. (Bild: Martin Liebrich)

Da stand ich nun. Im Franz Carl Weber. Mit einem Gutschein, den wir zur Geburt unserer Tochter erhalten hatten. Und suchte im Spätfrühling nach etwas, das der Einjährigen Spass machen könnte. Ich fand ein aufblasbares Planschbecken. Es gab zwei Modelle: Hello Kitty in Pink und eins in Blau. Cars.

Wenn Sie mich fragen: Unter den Gipfeln des schlechten Geschmacks ist Hello Kitty der Everest. Die Lieblingsmarke junger Neu-Stadtzürcherinnen, die sich damit unverwirklichte Kindheitsträume erfüllen und den «Kidults»-Trend für eine grosse Errungenschaft halten. Cars ist für Buben.

Schliesslich kaufte ich Hello Kitty. Damit sicher niemand glaubt, ich hätte lieber einen Jungen gehabt. Das Beste an diesem rund 40-fränkigen Becken: Nach gut drei Monaten war es zerlöchert. Seither kaufe ich die Dinger in der Landi um die Ecke. Sie halten auch nicht länger, kosten aber nur 7 Franken. Und sie sind bunt – ohne schreckliche Markenmiezen drauf.

Unterdessen ist meine Tochter fast vier. Einen Jungen habe ich nun auch noch. Er ist eins. Das Thema verfolgt mich weiter: Neulich wollte ich für das Mädchen eine Dächlikappe kaufen. Im Coop hatten sie keine. Im Migros eine pinke Minnie-Mouse-Mütze mit Ohren. Und Elsa aus «Frozen» mit Glitzereffekt. Ebenfalls in Pink. Ich kaufte nichts.

Dem Bub geht es auch nicht besser. Gemäss Mode-Industrie muss er blaue Oberteile mit Autos-Aufdruck tragen. – Hallo? Will ich die Neuauflage der Autopartei heranzüchten? Gebt dem Kind gefälligst etwas mit einem Velo drauf! Oder noch besser: etwas ohne Fahrzeug. Sternenmuster stehen ihm gut. Und weshalb, bitte, gibt es auf der anderen Seite für meine Tochter nichts mit etwas Technischem drauf? Wenn Kleider Leute machen, sind die Rollen schon sehr früh geklärt.

Ich schaue in meine Agenda. Tatsächlich 2017. Die Kindermode sieht zeitgemäss aus. Aber die Botschaft, die sie transportiert? – Frühes letztes Jahrhundert!

Martin Liebrich ist Redaktionsleiter beim «Glattaler» und Vater von zwei Kindern (4 und 1), die Familie lebt in Pfäffikon.  

 

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

Autor: Martin
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