Die peinlichen Landschaften im Badezimmer

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

von
Annalisa
Hartmann
Uhr

Nicht nur Kinderspielzeug landet auf dem Badezimmerboden. (Bild: Annalisa Hartmann)

Das waren noch Zeiten, in denen ich alles picobello aufgeräumt habe, bevor Besuch kam. Mit meinem 14 Monate alten Sohn mache ich mir die Illusion gar nicht mehr, dass es hier jemals ordentlich aussehen wird. Er wird den Kampf Ein- gegen Ausräumen immer gewinnen. Es ist für mich auch kein Problem, wenn seine Bauklötze herum liegen, oder seine über alles geliebten Keksdosen, auf denen er regelmässig durchs Wohnzimmer schlittert. Selbst wenn die Schuhe der Gäste Beine bekommen und am anderen Ende des Raumes landen, drücken die meisten lachend ein Auge zu.

Peinlich dagegen wird es erst, wenn jemand das Badezimmer aufsucht. Denn die Landschaften, die hier gebaut werden, sind ebenso kreativ wie schamlos und unberechenbar. Vielleicht liegen aufgeschlagene Bücher herum, vielleicht versteckt sich eine Holzlokomotive in der Dusche. Es ist aber auch möglich, dass zerknülltes WC-Papier am Boden liegt. Slipeinlagen werden zu eigenwilligen Bauten modelliert. Mein kleiner Architekt kennt keine Grenzen. Peinlich ist ihm nichts. Und das ist auch gut so.

Ich habe kein Problem damit, wenn er mit alltäglichen Dingen spielt, solange sie nicht gefährlich sind. Ich bin nicht dafür, alle Schränke leer zu räumen. Mein Sohn soll seine Erfahrungen machen, er soll seine Neugier und seine Kreativität ausleben.

Im Gegensatz zu ihm ist es mir aber doch etwas unwohl, wenn all jene Gegenstände auf dem Boden verstreut sind, die ich niemals öffentlich aus der Handtasche packen würde. Ich bin froh, dass er noch nie etwas ins WC geworfen hat. Und dass wir auch noch ein Gäste-Bad haben, in dem er nur selten spielt.

Annalisa Hartmann ist Redaktorin beim Zürcher Oberländer. Sie lebt mit ihrer Familie in Eschenbach. Ihr Sohn ist 14 Monate alt.

 

Autor: Annalisa
Hartmann