Angenehmes Geschrei im SBB-Familienwagen

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag. Heute gehts um eine längere Zugfahrt mit einer Einjährigen.

von
Fabian
Senn
Uhr

Der Familienwagen der SBB hat uns zwar zu einer turbulenten, aber auch angenehmen Fahrt von Chur nach Zürich verholfen. (Bild: SBB)

Es ist ein Aufbruch ins Ungewisse - die Reise von Arosa nach Zürich mit unserer einjährigen Tochter Ronja. Meine Befürchtungen: Erstens sind die Schulferien zu Ende, der Zug wird pumpenvoll sein. Zweitens sitzt Ronja nicht gerne still und wenn sie sich nicht bewegen kann, wird es ungemütlich. Trifft beides ein, stehen uns drei albtraumhafte Stunden bevor: Ein schreiendes Kind. Die teils bösen, teils bemitleidenden Blicke anderer Passagiere. Die eigene Hilflosigkeit, Schweissausbrüche - und letztlich das apathische und doch sehnsüchtige Warten auf das Ende der Zugfahrt.

Nach einer ruhigen Fahrt nach Chur – Ronja hat geschlafen – unendliche Erleichterung: Der Zug ist nach Zürich ist schon da, wir sind die Ersten, die einsteigen. Soweit, so gut, aber als ich den Familienwagen erblicke, macht mein Herz einen Freudensprung. Dieser Wagen bedeutet nichts Geringeres als eine zwar lärmige, aber angenehme Fahrt für uns. Denn die Bewegungsfreiheit unserer Tochter ist garantiert.

Wir finden sofort zwei Sitzplätze gleich neben dem «Spielplatz». Noch sind keine Kinder da, ich kann mit Ronja die Rutschbahn ausprobieren. Sie ist begeistert und klettert immer wieder hoch, bis sie sich nicht mehr halten kann und schlittert dann auf dem Bauch rückwärts hinunter.

Dann füllt sich der Wagen nach und nach. Unsere Tochter bekommt Konkurrenz und ist klar im Nachteil, weil sie als einzige noch nicht gehen kann. Zuerst beäugt sie die Situation aus dem Holzschiff, in das wir sie setzen. Doch dann stürzt sie sich mutig ins Getümmel und klettert sogar ins innere des Spielhauses, wohin wir Grossen ihr aus Platzgründen nicht folgen können. Ein ungutes Gefühl, zumal in den schmalen Gängen sicher zehn Kinder herumtoben. Es wird geschubst, gehauen und gedrängelt. Einen kleinen Grobian habe ich besonders im Auge, er geht nicht gerade zimperlich mit Ronja um. Doch man muss auch mal loslassen können, finde ich. Und als sich ein etwa dreijähriger Junge um meine Tochter kümmert – «das ist mein Baby» – mache ich mir keine Sorgen mehr. Nun bekommt es der Grobian mit ihrem Freund zu tun, wenn er meine Kleine wegschubst.

Irgendwann braucht sogar Ronja eine Pause. Meine Partnerin nimmt sie auf den Schoss und guckt mit ihr ein Fühl-Büchlein an. Immer mehr kleine Menschen kommen hinzu, sie kreisen uns regelrecht ein. Alle wollen die rauhe Zunge der Kuh oder das flauschige Fell der Kätzlein spüren. Immer wieder muss meine Partnerin von vorne beginnen, weil ein Kind den Anfang verpasst hat.

Mein Fazit: Die Familienwagen sind genial. Es geht zwar hektisch zu und her und man muss aufpassen, wo man hintritt (eine kleine Hand oder ein kleiner Fuss könnte drunter sein), aber die Fahrt ist kurzweilig. Und der freudige Lärm ist tausend mal besser, als wenn das eigene Kind tobt, weil es nicht den Gang im Wagen rauf und runter krabbeln und sich dabei über die Essensreste tausender Passagiere hermachen kann.

Fabian Senn ist Redaktor beim «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster». Er lebt mit seiner Familie in Oerlikon, seine Tochter ist einjährig.

Autor: Fabian
Senn