Plötzlich wasserscheu

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

von
Annalisa
Hartmann
Uhr

Im Therapiebad Wellentanz in Wila gewöhnen sich die Babys ans Wasser. (Bild: Seraina Boner)

Ich kann mich noch genau an das erste Bad meines Sohnes erinnern. Leano war damals erst ein paar Tage alt. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie er auf das Wasser reagieren würde. Wir probierten es aus – und es war ein wundervoller Augenblick. Leano öffnete den Mund, das tut er bis heute, wenn ihm etwas gefällt. Wir waren beide so entspannt wie kaum je einmal seit der Geburt. Baden wird unser Ding, dachte ich in diesem Moment.

Tatsächlich blieb das Baderitual ein beliebtes Ritual in unserem Alltag. Jedenfalls in den ersten Monaten. Ich dachte sogar darüber nach, uns zum Babyschwimmen anzumelden. Andererseits war ich mir unsicher, ob es wirklich nötig ist, mit so kleinen Kindern schon irgendwelche Kurse zu besuchen, in einer Zeit, in der doch noch alles neu und spannend ist und die Tage wie von selbst vergehen. Ausserdem scheute ich den Aufwand. Ich sah mich bereits in der vollen Umkleidekabine schwitzen und alles andere als entspannen.

Leano ist inzwischen ein Jahr alt. Und wir haben es nun doch gewagt. Gemeinsam haben wir das Babyschwimmen bei Regula Ganz im Therapiebad Wellentanz in Wila besucht. Nur ein Mal. Nur zum Schnuppern. Und die Erfahrung war ganz anders als erwartet. Denn mein Sohn war bei dieser alles andere als locker. Während der halben Stunde, die der Kurs dauerte, krallte er sich an mich und liess niemals locker. Er hatte Angst.  

Ich sah die anderen Kinder, alle zwischen vier Monaten und zwei Jahren alt, vergnügt in den Armen ihrer Eltern durchs Wasser segeln. Sie spritzten, spielten mit der Wasserschlange und allen möglichen bunten Fabelwesen. An diesem Morgen stand alles im Zeichen der Tiere. Wir spielten Kängurus und Schlangen, sangen Lieder. Mein Sohn, der Tiere und Singen sonst über alles liebt, fand keinen Spass daran.

Ich könne drei, vier Mal die Wassergewöhnung besuchen, sagte die Kursleiterin, dann würde er sich lösen und seine Angst nachlassen. Es komme selten vor, dass Kinder mit so starker Angst auf das Wasser reagieren. Dennoch wurde sie nicht müde, uns zu loben. Wir machten das ganz toll.

Die zweite Wasserpremiere ist also nicht ganz so abgelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Und trotzdem bin ich froh um diese Erfahrung. Gemeinsam auf eine Angst einzugehen, hat auch etwas Verbindendes. Wenn mein Sohn keine Wasserratte wird, kann ich das gut verstehen. Ich bin nämlich auch keine.

Annalisa Hartmann ist Redaktorin beim Zürcher Oberländer. Sie lebt mit ihrer Familie in Eschenbach. Ihr Sohn ist 1 Jahr alt.

Autor: Annalisa
Hartmann