Zahnfee und andere Fantasiefiguren

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

von
Annette
Saloma
Uhr

Die Zahnfee brachte einen Einfränkler: Der Zahnwechsel hat begonnen. (Bild: Annette Saloma)

Meine Tochter hat einen Tag nach ihrem sechsten Geburtstag ihren ersten Zahn verloren. Er hatte schon seit Wochen gewackelt. An ihrem Geburtstag biss sie dann ungünstig drauf, was ein kleines Drama auslöste. Mit blutendem Mund flüchtete sie sich weinend ins Badezimmer und liess ihre Freundinnen bestürzt im Wohnzimmer zurück.

Am Abend ihres Geburtstags hing der Zahn nur noch an einem «Fädeli» – zu gerne hätte ich ihn gepackt und dem Ganzen ein Ende gemacht. Doch das wollte sie nicht. Morgens im Bett spuckte sie ihn schliesslich aus. Sie war so stolz, dass sie ihn gleichentags in einem Kästchen in den Kindergarten mitnahm und anschliessend in den Hort – wo sie ihn prompt vergass. Am nächsten Tag holten wir ihn.

Abends im Bett verkündete sie stolz, dass diese Nacht die Zahnfee käme. Die Zahnfee?? Als ich klein war, gab es keine Zahnfee - jedenfalls nicht in meiner Familie. «Man muss den Zahn unter das Kopfkissen legen und die Zahnfee holt ihn dann und legt etwas hin», klärte mich meine Tochter auf. Andere Kinder hatten ihr davon im Kindergarten erzählt. «Und was legt sie hin?» fragte ich. Mir war längst klar geworden, dass ich aktiv werden musste, sobald sie eingeschlafen war. «Einen Goldtaler», sagte meine Tochter bestimmt. Es war 20 Uhr abends und ich hatte keine Ahnung, wo ich so etwas wie einen Goldtaler hernehmen sollte. Ich hoffte, dass es auch ein Einfränkler tun würde. Tatsächlich war sie entzückt, weniger über das Geldstück, sondern vielmehr darüber, dass die Zahnfee tatsächlich gekommen war.

Auch wenn ich nicht finde, dass man jeden Trend mitmachen muss – ich wollte meiner Tochter die Freude nicht nehmen. Ich finde es so herzig, wie sie absolut davon überzeugt ist, dass es die Zahnfee gibt. Ebenso wie sie an den Samichlaus (nur noch so halb) und den Osterhasen glaubt, oder das Sandmännchen. Und auch wenn ich sie vom Gegenteil überzeugen wollte, müsste ich mich anstrengen. «Es gibt doch nur ein Sandmännchen. Wie kann das allen Leuten Sand in die Augen streuen?» fragte sie mich kürzlich. «Vielleicht gibt es ja gar kein Sandmännchen», wandte ich ein. «Sicher schon!» erwiderte sie im Brustton der Überzeugung. «Ich habe ja am Morgen Sand in den Augen!»

Annette Saloma ist Redaktorin beim «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster» und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (3 und 6), die Familie lebt in Uster.