Den ganzen Tag Muh, Mäu und Kikeriki

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

von
Annalisa
Hartmann
Uhr

Den ganzen Tag Geschichten hören - oder nur Tiergeräusche. (Bild: Annalisa Hartmann)

Es gibt gewisse Momente in einer Mutter-Kind-Beziehung, auf die ich mich schon gefreut habe, seit ich selber noch ein Kind war. Die Momente, die ich aus meiner eigenen Kindheit am besten in Erinnerung habe. Und dazu gehören unbedingt all die tollen Geschichten, die meine Mutter mir und meinen Schwestern jeden Abend vorgelesen hat. Sie sass im Sessel, wir um sie herum, jede auf einer Lehne, manchmal auch alle zusammen auf einer Matratze. Schon als Kind habe ich mir fest vorgenommen, dass ich auch so eine Mutter werden will, die jeden Tag spannende Geschichten vorliest. Und nun ist es soweit. Aber wenn ich ehrlich bin, dann ist es einfach noch zu früh für Pippi Langstrumpf, Michel in der Suppenschüssel, die kleine Hexe oder Oliver Twist.

Ich habe meinem Sohn zwar schon das ein oder andere Märchen vorgelesen. Oder einfache Bilderbuch-Geschichte erzählt. Ich bin der kleine Hund, ich bin das kleine Pony. Aber ich konnte es uns auf der Matratze noch so kuschelig einrichten, nach kurzer Zeit krabbelte er weg.

Bis vor kurzem war das so. Nun ist mein Sohn ein Jahr alt. Und auf einmal ist er wie ausgewechselt. Er krabbelt nun nicht mehr von mir weg, sondern zu mir hin. Seit einer Woche will er von morgens bis abends Bücher mit mir anschauen. Vor allem ein Buch, das er mir überall hinterher trägt. Wenn ich es nicht gleich nehme, dann fasst er meine Hand und legt es hinein, packt meinen Finger, der auf die einzelnen Bilder zeigen soll, und gibt mir durch seine Geräusche zu verstehen, das ich erzählen soll. Ja, und was erzähle ich? Sein absolutes Lieblingsbuch ist ein Wörterbuch.

Ein Wörterbuch, in dem lauter Tiere abgebildet sind. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Geräusch um Geräusch nachzumachen und ihm zu erzählen, was ich über diese Tiere weiss. Und wenn ich fertig bin noch einmal von vorn. Und noch einmal. Und wenn ein Tag zu Ende ist, dann bringt er es am nächsten Tag wieder. Ich habe das Buch sogar schon versteckt. Im Regal, unter der Decke. Er findet es überall. Und ich freue mich, dass er meine Leidenschaft für Bücher teilt. Und jedes Mal, wenn ich wieder eine halbe Stunde mit ihm das Wörterbuch besprochen habe, freue ich mich auf die richtigen Geschichten, die noch vor uns liegen.

Annalisa Hartmann ist Redaktorin beim Zürcher Oberländer. Sie lebt mit ihrer Familie in Eschenbach. Ihr Sohn ist 1 Jahr alt.