Schlachten schlagen in der Küche

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag. Heute gehts um selber essen.

von
Fabian
Senn
Uhr

Zum Glück ist der Teller schon fast leer. Ronja beim essen. (Bild: Fabian Senn)

Es sind wüste Szenen, die sich tagtäglich in unserer Küche abspielen und sie zu einem Schlachtfeld machen: Randenbrei spritzt wie Blut bei einem Gladiatorenkampf, Löffel und Teller fliegen herum wie die Schwerter und Schilder der Kämpfer. Die Schreie sind Schreie – entweder stammen sie von uns Eltern, oder von unserer elf Monate jungen Tochter, weil wir ihr entnervt Löffel und Teller wegnehmen.

Wir versuchen Ronja inzwischen so oft wie möglich an unseren Mahlzeiten teilhaben zu lassen. Das heisst auch, sie selbst essen zu lassen. Das Problem ist nur, dass es dann eine Riesensauerei gibt. Selber essen ist faszinierend für unsere Tochter: das weichgekochte Gemüse, Teigwaren oder Reis zerdrückt sie genüsslich in den Händen und verteilt es anschliessend auf dem ganzen Körper, auf Tisch und Boden. Die Handhabung des Löffels ist zwar schwierig, doch der Ehrgeiz eines kleinen Kindes kennt keine Grenzen. Dass der Löffel oft leer ist, wenn er nach langen Umwegen endlich im Mund landet, spielt keine Rolle. Und den vollen Teller kann man so schön in die Höhe halten, vor allem umgekehrt macht das Spass. So kann ein einfaches Familienessen zum reinsten Abenteuer werden. Abzuschätzen, wie viel von der Mahlzeit tatsächlich den Weg in Ronjas Magen findet, ist allerdings schwierig.

Der Schritt zum Familienessen ist für mich auch mit Verunsicherung verbunden. Was darf Ronja mit elf Monaten überhaupt essen und was nicht? Was verträgt sie?, frage ich mich häufig. Vor allem Salz ist ein Thema, aber auch mit Milchprodukten bin ich noch vorsichtig. So verwende ich für sie wenn möglich zwar dieselben Lebensmittel wie für uns auch, bereite sie aber ohne Gewürze separat zu. Sobald Ronja einjährig ist – so der Vorsatz meiner Freundin und mir - darf unsere Tochter auch gewürzte Speisen essen. Vielleicht findet sie diese Mahlzeiten dann zu lecker, um sie überall, nur nicht in ihrem Mund, zu verteilen. Vielleicht hat sich bis dahin auch ihre Treffsicherheit mit dem Löffel verbessert und die Familienessen verlaufen stressfrei und ruhig.

Fabian Senn ist Redaktor beim «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster». Er lebt mit seiner Familie in Oerlikon, seine Tochter ist elf Monate alt.