Hilfe, mein Baby glüht

Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

von
Fabian
Senn
Uhr

Zäpfchen geben oder nicht? Hat das Kind zum ersten Mal Fieber, ist die Hemmschwelle hoch, Medikamente einzusetzen. (Symbolbild: Fotolia)

Der Anblick zerreisst mir schier das Herz: Meine neun Monate alte Tochter wacht mit einem Schrei auf. Wahrscheinlich ein Albtraum, denke ich und nehme sie auf den Arm, um sie zu trösten. Doch ausnahmsweise hilft das nicht. Zuerst ist es nur ein Wimmern, das sich nach und nach zu einem schläfrigen, heiseren Schreien steigert. Ihre Augen sind wässrig, die Nase gerötet, der Kopf scheint zu glühen. Ronja hat 39 Grad Fieber – zum ersten Mal.

Ich bin beunruhigt. Ab wann muss ein Arzt konsultiert werden?, fragen wir uns als Eltern. Oder wäre das übertrieben? Von Anfang an liebäugle ich mit einem schmerzlindernden und fiebersenkenden Zäpfchen. Geht es doch darum, dem Kind möglichst schnell Linderung zu verschaffen. Gleichzeitig habe ich Skrupel, meine Tochter gleich mit Medikamenten, vollzupumpen. Ich selbst nehme auch nur selten Medikamente wenn ich krank bin. Meine Freundin ist ebenfalls dagegen, also müssen Alternativen her: Viel trinken, das hilft immer. Kühle Waden-Wickel oder Socken, das kenne ich noch aus meiner Kindheit. Aber ist es für ein krankes Baby wirklich angenehm, kühle und feuchte Tücher auf der nackten Haut zu spüren? Es ist eine dieser Situationen, in denen ich gerne fähig wäre, die Gedanken und Gefühle meiner Tochter zu lesen.

Das Wimmern und Schreien geht weiter, meine Freundin und ich leiden mit Ronja – wahrscheinlich sogar noch etwas mehr. Und irgendwann, die kühlen Wickel senken die Temperatur nicht merklich, entschliessen wir uns doch für ein Zäpfchen. Besonders in solchen Situationen bin ich froh, dass wir Entscheidungen gemeinsam fällen können.

Das Resultat ist erstaunlich: nach kurzer Zeit wird Ronja ruhiger und kann für einige Stunden schlafen. Bis sie wieder – diesmal ist es mitten in der Nacht – mit einem Schrei aufwacht. Wieder glüht sie, wieder ist das heisere Wimmern herzzerreissend. Die Wirkung des Zäpfchens hat nachgelassen. Die Skrupel, noch einmal Medikamente zu geben, sind beim zweiten Mal noch grösser. Obwohl die Dosis laut Packungsbeilage in Ordnung wäre. Tee gibt es sowieso wieder, Wickel ebenfalls. Doch es ist drei Uhr Nachts, ein Zäpfchen mehr wird schon nicht schaden. Natürlich geht es in erster Linie wieder um Ronjas Befinden – aber auch um unseren Schlaf. Nach weiteren Stunden ruhigen Schlafs, erwartet uns unsere Tochter am nächsten Morgen stehend und plaudernd im Bett. Sie strahlt.

Fabian Senn ist Redaktor beim «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster». Er lebt mit seiner Familie in Oerlikon, seine Tochter ist neun Monate alt.

Autor: Fabian
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