«Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet»

«Family Affairs» ist der Familien-Blog auf Züriost und behandelt Themen rund um den Familienalltag mit Kind und Kegel. Drei Redaktorinnen und ein Redaktor aus der Region berichten über Alltagserlebnisse, Erziehungsfragen, Freizeitgestaltung – einfach über alles, was Eltern im Umgang mit Kindern beschäftigt. Jeden Samstag erscheint ein neuer Beitrag.

von
Annette
Saloma
Uhr

Eine Ohrfeige als Erziehungsmassnahme: kein legitimes Mittel. (Symbolbild: S. Hofschlaeger/Pixelio.de)

Vor wenigen Wochen wurde ein Thema von Eltern und Kinderlosen gleichermassen heftig diskutiert: Körperstrafen. Die Stiftung Kinderschutz und verschiedene Politiker fordern, im Zivilgesetzbuch das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung zu verankern. Was für Erwachsene und Tiere schon lange gilt, soll auch für Kinder Gesetz sein.

Der Aufschrei war gross. Glaubt man den Nutzern von Online-Medien, ist Erziehung ohne körperliche Züchtigung schlicht unmöglich. Beim Lesen der Kommentare packte mich das Grauen. «Ein Klaps zum rechten Zeitpunkt hat noch niemandem geschadet», heisst es immer wieder. Wobei unklar bleibt, wann der rechte Zeitpunkt ist und wer wie bestimmt, ob es schadet oder nicht.

Fachleute sind sich jedenfalls einig: Schläge, Ohrfeigen, aber auch Klapse haben in der Kindererziehung nichts verloren. Gewalt sollte für Eltern ein Tabu sein, physische übrigens genauso wie psychische. «Schläge finde ich auch nicht gut, aber ein Klaps ist ja kein Schlag», wird auch gerne als Argument ins Feld geführt. Aber bei Schlägen kommt es nicht auf die Härte an. Auch wenn ein Klaps auf einen windelbepackten Po oder auf die Finger vielleicht nicht schmerzt – es ist eine Demütigung, die in der Seele wehtut.

Auch ein beliebter Kommentar ist: «Lieber mal eins an die Ohren als diese antiautoritäre Weichspülererziehung.» Zum Glück gibt es nicht nur Schwarz und Weiss. Wer seine Kinder gewaltfrei aufwachsen lässt, lässt sie deshalb nicht tun und lassen, was sie wollen. Aber wenn ich nicht will, dass sie ihre Konflikte mit Gewalt lösen, dann lebe ich ihnen dies auch nicht vor. Kinder sind Meister im Abschauen und Weitergeben. Ich will, dass meine Kinder nicht Angst, sondern Respekt vor mir haben, genauso wie ich Respekt vor ihnen habe. Und jemanden, den ich respektiere, schlage ich nicht. Ich schlage überhaupt niemanden. Ich will nicht, dass meine Kinder das Vertrauen zu mir verlieren und mir nur gehorchen aus Angst, dass ich sie sonst bestrafe. Niemand hat es «verdient», geschlagen zu werden.

Kinder bringen einen zuweilen an die eigenen Grenzen, nicht immer sind die Nerven dick wie Drahtseile, und manchmal weiss man einfach nicht mehr weiter. Die eigene Hilflosigkeit an den Kindern auszulassen, die uns bedingungslos lieben und von uns abhängig sind, empfinde ich aber als nicht richtig. Wenn man hilflos ist, kann man sich Hilfe holen. Dafür gibt es genügend Angebote wie den Elternnotruf und die Erziehungsberatung.

Annette Saloma ist Redaktorin beim «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster» und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (2 und 5), die Familie lebt in Uster.

Autor: Annette
Saloma