Auch in Costa Rica stehen Wahlen bevor

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Costa Rica stehen Neuwahlen für die Regierung und das Parlament an. Unser Blogger Jonas aus Winterthur ist vor Ort und berichtet über die dortige Situation.

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Am 4. Februar wählt Costa Rica! Alle vier Jahren wird die Regierung und das Parlament neu besetzt. Dabei kämpfen 13 Kandidaten um die Gunst der Bevölkerung – keine leichte Aufgabe.

Vielseitige Problemlagen

Wie gut jemand Costa Rica durch die nächsten vier Jahre lenkt, ist von grosser Bedeutung. Denn das Land hat mehrere Krisenherde.  Eine ernstzunehmende Liquiditätskrise, systematische Korruption, ein nach unten bröckelnder Mittelstand, zunehmende Kriminalität, Verkehrschaos, das Verhältnis von Staat und Religion sowie Umweltkatastrophen sind die diskursbestimmenden Punkte in den Debatten der Präsidentschaftskandidaten.

Wer bringt den Wandel?

In Costa Rica wird – wie in fast allen amerikanischen Staaten – der Präsident direkt zusammen mit den Abgeordneten vom Volk gewählt. 2014 brach erstmals seit 1948 mit der Regel, dass dieser von einer der beiden konservativen und mit Korruptionsvorwürfen konfrontierten Altparteien PUSC und Liberación Nacional gestellt wurde. Der aktuelle Präsident Luis Guillermo Solís von der jungen mitte-links Partei «Partido Acción Ciudadana»  (PAC, mit der SP vergleichbar) löste mit seiner Wahl eine Umbruchstimmung aus. Leider waren in jüngst aufgedeckten Korruptionsaffären auch PAC-Mitglieder verwickelt, was die Begeisterung trübte.

Die 13 Kandidaten bieten ein buntes Bild. Unter anderem wären da ein religiöser Eiferer, ein costaricanischen Trump und ein Arzt, der keine Chance auslässt, dies zu erwähnen.

Im Trend liegen konservative christliche Parteien. Das linke Spektrum ist mit den Parteien PAC, Frente Amplio und der kommunistischen PT auch stark vertreten. Mit ordentlich Abstand folgt die neoliberale «Movimiento Libertario» (die hiesige FDP) und eine rechts-populistische Kraft (im Stile der SVP) fehlt völlig.

Wenig Vertrauen

In vielen Gesprächen stiess ich auf Menschen, die nicht mehr an eine Lösung des Stillstands und der Korruption in der Politik glauben und daher nicht wählen gehen. Die Tatsache, dass am Wahlsonntag jeder Bürger an einem fixen Wahlort persönlich erscheinen muss und eine briefliche Wahl nicht möglich ist, hilft da nicht. Gerade in den Universitätsvierteln  gibt es aber auch engagierte junge Leute, die sich insbesondere für PAC und Frente Amplio aussprechen.

In Umfragen führt momentan Antonio Álvarez Desanti von der konservativen Liberación Nacional, der bei vielen jungen Wählern unbeliebt ist und eher für «weiter so» anstatt des so dringend benötigten frischen Windes steht. Jedoch hat die Wahl dieser historischen Partei in vielen Familien eine lange Tradition, was scheinbar mehr gewichtet wird als ein offensichtlich korrupter Kandidat.

Nörgeln an der Schweizer Politik? Klar! Aber der lebhafte demokratische Diskurs und das Vertrauen in die Politik sind ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit wie die Instrumente der direkten Demokratie und somit das Gefühl, wirklich mitbestimmen zu können. Costa Rica wird gern als demokratisches Musterland von Zentralamerika angesehen – doch Korruption kann auch die beste Demokratie vergiften.

Ich hoffe für das Land, dass endlich ein richtiger Wandel erfolgt, der die «Schweiz Mittelamerikas» wieder auf Kurs bringt – welcher Kandidat dies auch immer vollbringen mag.