100 Jahre Proporz

Winterthur für einmal das Polit-Zentrum des Kantons

In Winterthur feierte der Kanton Zürich heute Freitag 100 Jahre Proporz. In der Halle 53 auf dem Sulzer-Areal behandelte der Kantonsrat auch den Umbau der Kantonsschule Büelrain. Anwesende Winterthurer Politiker strichen die Wichtigkeit des Proporz-Wahlrechts heraus.

von
Michael
Hotz
Uhr

Vor hundert Jahren nahm der Kanton Zürich einen Systemwechsel im Wahlrecht der Legislative vor. Das Zürcher Parlament wird seither im Proporz gewählt. Dieser politische Meilenstein wurde heute Freitag in Winterthur gefeiert. In der Halle 53 auf dem Sulzer-Areal fanden seit dem Vormittag einige spezielle Veranstaltungen statt.

Erste öffentliche Kommissions-Sitzung

So tagte erstmals in der Geschichte des Kantonsrates eine Kommission öffentlich. Die Kommission für Staat und Gemeinden empfahl dem Parlament in ihrer Sitzung, den Zusammenschluss der Politischen Gemeinden Elgg und Hofstetten zu genehmigen (wir berichteten).

Später am Nachmittag ging auch eine Kantonsrats-Sitzung über die Bühne. Dafür verliess der Rat sein Ratshaus in Zürich und kam nach Winterthur. Das Parlament erklärte dabei etwa ein Postulat für dringlich, das eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Winterthurer Kantonsschule Büelrain fordert (wir berichteten).

Der Applaus wurde gleich unterbunden

Das wahrscheinlich einmalige Ereignis einer Kantonsrats-Sitzung in Winterthur liessen sich vor allem viele Schulklassen nicht entgehen. Zusammen mit ihren Lehrern und anderen Zuschauern nahmen sie auf den insgesamt vier Tribünen Platz, die extra für diesen Event aufgebaut wurden.

Viele Gymnasiasten unter den Zuschauern (Bild: Michael Hotz):

Das Hauptinteresse der zahlreichen Gymnasiasten galt dabei dem Photovoltaik-Anlage-Postulat von GLP, CVP und BDP. Nach einem Votum einer Befürworterin des Anliegens gab es ordentlich Applaus von den Zuschauerrängen. Die Kantonsratspräsidentin Karin Egli-Zimmermann (SVP) bat das Publikum daraufhin, das Klatschen zu unterlassen.

Ein angemessener Festakt

Natürlich liessen sich auch viele Winterthurer Politiker die Feier in der Halle 53 nicht entgehen. Der Gemeinderatspräsident Felix Landolt (SP) begrüsste zusammen mit Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) das Parlament. Als höchster Winterthurer ist der Sozialdemokrat stolz, dass die Eulachstadt als Austragungsort gewählt wurde. Sein Parteikollege, Kantonsrat Andreas Daurù, beschrieb den Festakt als «sehr angemessen». Gerade im Hinblick auf die Situation in anderen Ländern, wo die Demokratie unter Druck gerate.

Beiden SP-Politikern ist die Wichtigkeit der Einführung des Proporzwahlrechts bewusst. So meinte Andreas  Daurù: «Es war damals ein sehr wichtiger Entscheid. Nur so können viele Haltungen und Meinungen im Parlament richtig abgebildet werden.» Felix Landolt sagte: «Der Proporz ist fundamental. Erst ab seiner Einführung wurde das Volk im Kantonsrat richtig repräsentiert.»

«Der Proporz belebt die Demokratie»

Diesen Meinungen schliessen sich Reto Diener und Annetta Steiner an. Der Co-Präsident der Grünen bezeichnete das Proporzwahlrecht als «grosser Schritt für die Demokratie». Die politische Vielfalt hätte so gesteigert werden können, was viele Entwicklungen positiv beeinflusst habe. «Der Proporz belebt die Politik. Er macht sie attraktiver und unterhaltsamer», so Reto Diener.

Annetta Steiner, GLP-Gemeinderätin und erste Vize-Präsidentin des Winterthurer Parlaments, sagte: «Es ist extrem wichtig, dass auch Minderheiten in der Politik mitmachen und entscheiden können, denn diese bringen immer wieder relevante Inputs.» Dazu verhelfe eben das Proporz-Wahlrecht.

Autor: Michael
Hotz

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