Winterthur

Wie gefährlich sind die Winterthurer Strassen?

Ein Experte in Sachen Strassen beurteilt die aktuelle Verkehrssituation in Winterthur: Sandro Ceravolo, der seit 1998 als Fahrlehrer in der Eulachstadt unterwegs ist.

von
Michael
Hotz
Uhr

Als Fahrlehrer mit 19 Jahren Berufserfahrung kennt Sandro Ceravolo die aktuellen Winterthurer Strassenverhältnisse bestens. (Bild: Michael Hotz)

Über die Verkehrssituation auf Winterthurer Strassen wird viel diskutiert. In Kneipen, Bars sowie am Familientisch regt man sich gern über die diversen Baustellen oder den allabendlichen Stau auf dem Nachhauseweg auf. Aber wie bewertet ein Experte, der jeden Tag auf den Eulachstädter Strassen unterwegs ist, die aktuelle ­Situation des Strassenverkehrs?

«Die Strassensituation ist gut»

Sandro Ceravolo gründete 1998 die Wintifahrschule. Der zwei­fache Familienvater ist damit seit 19 Jahren Fahrlehrer in Winterthur – ein Kenner der hiesigen Verkehrsverhältnisse.

Diese stuft er allgemein als gut ein. «Die Winterthurer Strassen sind sauber signalisiert, die Lichtsignale und die Markierungen stimmen», führt er aus. So sei etwa eine gefährliche Stelle bei der Umfahrung Wülflingen beseitigt worden. Der Winterthurer erklärt: «Das Lichtsignal an der Salomon-Hirzel-Strasse ist eine riesige Verbesserung. Früher war die Streckenführung der Horror.»

Kontraproduktive Sender unter den Bussen

Möglichkeiten zu Optimierung der Strassensituation gibt es für Ceravolo trotzdem, gerade im Abendverkehr. So sagt er: «Die Sender unter einem Bus, die eine Ampel auf Grün halten, bis der Bus über die Kreuzung ist, verursachen während der Stosszeiten chaotische Situationen. Sie stören den normalen Ablauf und verschlechtern den Verkehrsfluss.»

Den ÖV zu bevorzugen, sei an sich gut, aber dann müsse die Stadt auch mehr Platz für die Busse schaffen – etwa mit separater Spur.

50 Unfälle pro Tag wären möglich

Oft seien es gar nicht die Verkehrs- und Strassenbedingungen, die heikle Situationen hervorrufen, sondern die Menschen hinter dem Steuer. «Ich könnte an einem zehnstündigen Arbeitstag rund 50 Unfälle verursachen, an denen ich nicht schuld wäre», sagt Ceravolo pointiert.

Damit es dennoch nicht zu diesen Zusammenstössen kommt, predigt der Fahrlehrer einen eigenverantwortlichen Fahrstil: «Ich appelliere an gegenseitige Akzeptanz und Toleranz aller Verkehrsteilnehmer. Es bringt nichts, ständig auf seinen Vortritt zu beharren.» So sollten Auto­fahrer zeitlichen Stress möglichst vermeiden. Ceravolo rät: «Lieber etwas früher das Haus verlassen. So lässt sich die Fahrt stressfrei angehen.»

Sture, intolerante und ungeduldige Rentner

Nicht allen Autofahrern gelinge das. Gerade Rentner würden einen eher ungeduldigen Fahrstil pflegen. «Sie sind leider oftmals stur, intolerant und mit komplexen Verkehrssituationen überfordert», so der erfahrene Fahrlehrer.

Deshalb befürworte er auch Fahr-Wiederholungskurse für Pensionierte, um sie auf den aktuellsten Stand des richtigen Fahrverhaltens zu bringen. Denn: «Junglenker sind besser ausgebildet als fahrende Rentner», ist er überzeugt.

Die Problematik Rechtsvortritt

Als weiteren Auslöser für manch brenzlige Situation auf den hiesigen Strassen macht der Winterthurer fehlende Regelkenntnisse aus. Die grösste Problematik, mit der seine Fahrschüler und Autofahrer generell zu kämpfen hätten, seien Rechtsvortritte.

«Viele kennen leider die Regeln für den Rechtsvortritt nicht richtig», so Ceravolo. Darum klärt er auf: «Bei einem Stoppzeichen, einer Markierung für keinen Vortritt oder einem klar abgrenzenden Trottoir gilt die Rechtsvortritt-Regel nicht. Ansonsten schon, auch auf Überlandstrecken.»

Gemeiner Rechtsvortritt beim Zentrum Töss

Selbst wenn man die Regeln kenne, sei die Sache mit dem Rechtsvortritt nicht so einfach. «In Winterthur gibt es einige gemeine Rechtsvortritte, die an unerwarteten Stellen kommen», erklärt Ceravolo.

Als Beispiel nennt er die Emil-Klöti-Strasse in Töss. «Ist man auf dieser Strasse Richtung Zentrum Töss unterwegs, kommt direkt nach dem Ende der 30er-Zone ein Rechtsvortritt. Diesen übersehen praktisch alle meine Fahrschüler, weil sie nicht darauf vorbereitet sind.»

Vielschichtige Einflüsse

Die Ausführungen Sandro Ceravolos zeigen vor allem eines: Der Alltag auf den Winterthurer Strassen ist von vielen Einflüssen geprägt. Entscheidend ist, sich tolerant gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern zu zeigen.

Autor: Michael
Hotz

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