Die Balljungen

Mehr als eine Randerscheinung

In den meisten Spielen nimmt man sie gar nicht wahr – und doch haben sie einen grösseren Einfluss auf den Fussball, als man denken würde. Die Rede ist von den Balljungen.

von
Damian
Keller
Uhr

Mitte der 90er-Jahre stellte die Fifa bei Messungen fest, dass die effektive Spielzeit bei Fussballspielen laufend abnahm. An der WM 1990 lag sie gerade noch bei 56 Minuten. Sich mehr oder weniger verletzt auf dem Platz wälzende Spieler waren dabei nur teilweise für die Unterbrüche verantwortlich.

Reaktion der Fifa auf Spielverzögerungen

Auch Bälle, die im Aus landeten oder absichtlich dorthin befördert wurden, kosteten viel Zeit, da sie erst wieder geholt werden mussten. Die Regelkommission der Fifa ging das Problem an und schrieb anschliessend den Einsatz von Balljungen vor, die das auf dem Platz abhanden gekommene Spielgerät sofort ersetzen. Befreiungsschläge auf die Tribüne um Zeit zu schinden und über die Banden hüpfende Spieler gehörten sofort der Vergangenheit an – heute ist das nur noch in tiefen Ligen zu sehen.

Die Wirkung der Massnahme zeigte sich sofort. Bei der EM 2000 lag die effektive Spielzeit wieder bei 68 Minuten. Auch auf der Schützenwiese sind bei Heimspielen des FCW selbstverständlich an allen vier Spielfeldseiten Balljungen postiert, um die Spieler bei Bedarf gleich mit einem neuen Leder zu bedienen. 

Gewisses Konfliktpotenzial

So einfach der Job der Balljungen klingt – Ball fliegt raus, neuen reinwerfen – so heikel kann die Aufgabe sein. Sehr schnell ins Spiel gebrachte Bälle können zu Kontern und Toren führen. Lässt sich ein Balljunge – meistens beim Gegner, wenn das eigene Team führt – ein bisschen mehr Zeit, können die Nerven blank liegen.

Geoffrey Serey Dié (heute Basel, damals Sion) ohrfeigte vor fünf Jahren einen 13-jährigen Balljungen und wurde für acht Spiele gesperrt. Chelseas Eden Hazard trat einen Balljungen in den Bauch, als dieser den Ball nicht freigeben wollte und sah dafür Rot. Dass der Junge vor dem Spiel einen Tweet abgesetzt hatte, in dem er das Zeitschinden praktisch ankündigte, sorgte für eine milde Sperre von drei Partien für Hazard.

Balljunge ärgerten Spieler

Auch in anderen Stadien waren die Balljungen keine Unschuldslämmer. Es gab die Fälle mit Jens Lehmann und Cristiano Ronaldo, als die Stars gefoppt wurden – und bei Atlético Madrid unterband ein aufs Feld geworfener zweiter Ball einen Konter der Gastmannschaft.

Bestraft wurde da aber nicht der Junior, sondern Atlético-Trainer und Anstifter Diego Simeone, der auf die Tribüne musste.

Autor: Damian
Keller

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