Winterthur

Ideen für Gleichberechtigung

Die Büro-Schoch-Verwaltungsrätin Senem Wicki entwickelt von Beruf aus visionäre Pläne. Für mehr Frauen in Führungsgremien bräuchte es laut der 34-Jährigen eine Quote.

von
Michael
Hotz
Uhr

Eine der starken Frauen bei Büro Schoch: Senem Wicki. (Bild: zvg)

Frauen in Führungspositionen sind in Winterthurer Unternehmen eher rar gesät. Dies gilt jedoch nicht für die Büro Schoch Werkhaus AG. Simona Dozio ist in deren Geschäftsleitung und seit Mitte Juli hat das Unternehmen für Büro- und Arbeitswelten mit Senem Wicki auch die erste Vertreterin im Verwaltungsrat.

Wie stehen Sie zum Thema Frauenquote in der Wirtschaft?

Das wäre notwendig.
100% (2 Stimmen)
Das wäre eine Überregulierung
0% (0 Stimmen)
Ich bin noch unschlüssig
0% (0 Stimmen)
Total Stimmen: 2

«Sie ist eine wertvolle Ergänzung für unser Unternehmen. Wir sind stolz darauf, dass wir sie für uns gewinnen konnten», lobt CEO und Inhaber Jan Schoch. Die 34-Jährige aus ­Zürich will mit klaren Visionen Jan Schoch in seinen Lorbeeren bestätigen. Konkrete Ideen, wie mehr Frauen zu höheren Positionen in Winterthurer Firmen gelangen könnten, hat die Zukunftsforscherin ebenfalls.

Glauben Sie, dass Sie frauenspezifische Attribute in den Verwaltungsrat ­einbringen können, die das Unter­nehmen weiterbringen?

Senem Wicki: Studien zeigen, dass sich mehr Frauen im Verwaltungsrat positiv auf den Unternehmenserfolg auswirken. Meiner Meinung nach liegt das aber weniger an frauenspezifischen Attributen, sondern an einer dadurch steigenden Diversität von Meinungen und Standpunkten im Führungsgremium.

Welche Ziele haben Sie als Verwaltungsrätin bei Büro Schoch?

Die Firma ist mit einem Wandel auf unterschiedlichen Ebenen konfrontiert: Eine sich verändernde Arbeits- und Bürowelt bringt neue Kundenbedürfnisse hervor. Das Internet verändert den Handel und die Ansprüche der Beratung steigen. In einem solchen Transfor­mationsprozess muss es unser Ziel sein, dass die Mitarbeitenden verstehen, wohin die Reise geht. Denn sie sind es, die uns am Ende von der Konkurrenz abheben.

Was müsste getan werden, dass zukünftig mehr Frauen hohe Positionen in Winterthurer Firmen einnehmen?

Wenn wir als Gesellschaft der Meinung sind, dass es mehr Frauen in Verwaltungsräten braucht, kommen wir in der Schweiz, wo sich Strukturen nur langsam verändern, wahrscheinlich nicht um eine Quote herum. Beispielsweise Norwegen hat diese seit zehn Jahren und sie ist gut akzeptiert. In der Politik stört es auch niemanden, dass mittels Quote nach Parteien- oder Regionen­zugehörigkeit gewählt wird.

Wo gibt es aus Ihrer Sicht noch Defizite in der Gleichberechtigung?

Wenn Frauen im Arbeitsmarkt voll integriert sein sollen, braucht es günstigere Krippenplätze und Lohngleichheit. Dazu müssen die Männer ihre Vaterpflichten besser wahrnehmen können. Diese Punkte sind bekannt, es sind quasi unerledigte Hausaufgaben. In die Zukunft gedacht, müssen wir vor allem über zeitgemässe Arbeits- und Familienmodelle nachdenken. Denn parallel zur Gleichberechtigung sehen wir heute tief greifende Veränderungen in der Arbeitswelt, die mehr Flexibilität zuliessen.

Was wären für Sie konkrete Konzepte für zeitgemässe Arbeitsmodelle?

In Schweden führen Unternehmen 6-Stunden-Tage ein. Auch existieren Überlegungen zu einer Lebensarbeitszeit, mit welcher der Arbeitsumfang an die aktuelle Lebensphase angepasst werden kann. Wenn man in diese Richtung denkt, ergeben sich Möglichkeiten, die über die starren Modelle und Klischees von heute hinausgehen. Hier müsste mehr Zeit und Hirnschmalz investiert werden, um unser Leben neu zu denken und um die Wertvorstellungen den realen Möglichkeiten anzupassen.

Autor: Michael
Hotz

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