Winterthur

«Ich bin nicht der Cüpli-Typ»

Felix Landolt (SP) ist nun der höchste Winterhurer. Sein Amtsjahr als Präsident des Gemeinderats steht für ihn ganz im Zeichen der Vielfalt.

von
Michael
Hotz
Uhr

Gemeindepräsident Felix Landolt bezeichnet sich selber als vielseitigen Mensch. (Bild: Michael Hotz)

Chantal Leupis Amtszeit als Winterthurer Gemeinderatspräsidentin ist vorbei. Die SVP-Parlamentarierin gab am Montagabend ihr Amt als höchste Winterthurerin weiter. Neuer Präsident des Parlaments für das Amtsjahr 2017/2018 ist Felix Landolt. Der SP-Gemeinderat erhielt 48 von insgesamt 54 gültigen Stimmen (wir berichteten).

Felix Landolt freut sich auf die Herausforderungen seines Amts, aber er fürchtet sich auch davor, in gewissen Situationen nicht richtig zu reagieren.

Einige Gemeinderatskollegen lobten Sie an der Wahlfeier für Ihren unermüdlichen Einsatz im Parlament. Fällt es Ihnen da nicht schwer, künftig nicht mehr aktiv mitzumischen?

Felix Landolt: Ja, das ist natürlich die Kehrseite des Präsidiums. Ich habe nun einfach für ein Jahr eine andere Aufgabe und andere Funktion. Dies kann auch darüber hinwegtrösten, dass ich mich als Gemeinderatspräsident nicht aktiv im Parlament einbringen darf. Nach meinem Amtsjahr kann ich dann wieder mitmischen.

Was erwarten Sie von Ihrem Amtsjahr?

Ich habe dies in meiner Wahlrede bereits angetönt. Mich interessiert die Vielfalt, die vielen Schattierungen des gesellschaftlichen Lebens etwa in Vereinen und Interessensgemeinschaften. Aber auch die sprachlichen Identitäten der 180 Nationen, die in unserem Winterthur zusammenleben. Einen Einblick in diese Vielfalt zu bekommen, darauf freue ich mich.

Was möchten Sie denn in diesem Bereich der Vielfalt erreichen?

Ich möchte das Verständnis für die Vielfalt verbessern. Die Notwendigkeit, dass man diese respektiert, will ich fördern. Der erste Schritt dazu ist, in meinem Amtsjahr Vielfalt ins Zentrum zu stellen. Meine Abschlussrede nächstes Jahr werde ich wieder zu diesem Thema halten.

Wovor haben Sie am meisten Respekt?

Am meisten Respekt habe ich davor, in gewissen Situationen nicht richtig, nicht angemessen zu reagieren, und so ein schlechtes Licht auf die Politik und die Stadt zu werfen. In diesem Bereich muss ich aufpassen und Fingerspitzengefühl beweisen.

Was sind Ihre Stärken?

Ich sehe mich als guter Vermittler zwischen verschiedenen Parteien und unterschiedlichen Interessen. Zudem sehe ich das Führen von Diskussionen und Geschäften als eine meiner Stärken. Dies habe ich auch als Präsident der Sachkommission Bau und Betriebe erlebt, in der wir Mitglieder gut zusammenarbeiten konnten.

Der Präsident mit seinen beiden «Vizes», Annetta Steiner und Andreas Geering:

Und was sind Ihre Schwächen?

Ich bin ein direkter Mensch, der Probleme offen anspricht. Deshalb auch meine Befürchtung, dass ich mich eventuell einmal nicht angemessen verhalten könnte. Aber wie gesagt, darauf habe ich ein wachsames Auge.

Was würden Sie als Ihren grössten Erfolg als Gemeinderat bezeichnen?

Das war, indem ich einen Vorschlag des Stadtrats für zwei Parkhäuser in Winterthur verhindern konnte. Ich war federführend, als das Parlament 2012 die sogenannte Tandem-Lösung für zwei Parkhäuser – je eines im Teuchelweiher und eines im Inneren Lind – verwarf. In der damaligen Debatte sprach sich der Gemeinderat für meinen Antrag aus, nur ein Parkhaus am Teuchelweiher zu realisieren.

In welche Richtung muss sich Winterthur Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Grosse Projekte laufen, sehr viel liegt also bereit. Eine ganz wichtige Geschichte ist, dass die Politik dem bewilligten und beschlossenen Gesamtverkehrskonzept nachkommt. Die Verkehrssituation in Winterthur wird tendenziell schlimmer, deshalb muss in diesem Bereich etwas getan werden.

Ein anderer Punkt ist, die Gartenstadt-Qualität Winterthurs zu erhalten, aber auch unsere Stadt mit qualitätsvollen Bauten und Aussenräumen architektonisch und städtebaulich weiterzuentwickeln.

Im finanziellen Bereich brauchen wir im Kanton Zürich eine strukturelle Lösung im Soziallastenausgleich. Städte und Agglomerationsgemeinden sind unverhältnismässig von Sozialkosten betroffen. Der Kanton darf die Gemeinden nicht sich selber überlassen, sondern sollte einen Ausgleich suchen. Winterthur leidet darunter sehr stark. Wenn diese Problematik nicht gelöst werden kann, hat unsere Stadt in einigen Jahren ein echtes Finanzproblem.

Es werden Sie eine Menge Apéros erwarten. Sind Sie der Cüpli-Typ?

Nein, gar nicht (lacht). Aber ich scheue keine Veranstaltungen, ich mag solche sogar. Ich bin gern unter Menschen.

Was wollen Sie im Mai 2018 über Ihr Amtsjahr sagen können?

Verschiedenes. Ein ganz wichtiger Meilenstein in diesem Jahr ist, das Budget im Gemeinderat überweisen und genehmigen zu können. Dazu hoffe ich, dass ich den Erwartungen an mich als Gemeinderatspräsident nachleben, der Vielfalt nachspüren und einige bleibende Erlebnisse sammeln kann.

Wer ist der private Felix Landolt?

Ich glaube, ich bin ein relativ vielseitiger Mensch. Ich habe mehrere Jahre im Ausland gearbeitet. So bin ich sehr interessiert an fremden Kulturen und auch an der Diskrepanz zwischen Arm und Reich, Süd und Nord. Mittlerweile zieht es mich aber nicht mehr so in die Ferne. Ich mache nun lieber Veloferien im nahen Ausland.

Dazu bewege ich mich gerne, etwa gehe ich öfters wandern oder spiele ab und an ein wenig Fussball. Musik mag ich ebenfalls, ich bin auch Mitglied der Band Blue La Conbas.

Autor: Michael
Hotz

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