Pollenzeit

Heuschnupfen wird zur Volkskrankheit

Der Frühling ist da, doch nicht jeden freuts. Immer mehr ­Menschen macht der Pollenflug zu schaffen. Dermatologe Timur Taskesen weiss, weshalb Allergien in der Schweiz auf dem Vormarsch sind und wie der Heuschnupfen behandelt werden kann.

von
Tina
Schöni
Uhr

Blumen blühen, die Temperaturen steigen an, der Frühling ist da. Für immer mehr Schweizerinnen und Schweizer ist das allerdings kein Grund zur Freude, denn Allergien sind hierzulande stark auf dem Vormarsch.

Laut Timur Taskesen, medizinischer Standortleiter der Pallas Klinik, hat sich die Zahl der Allergiker in der Schweiz innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Der Dermatologe kennt die Gründe dafür und verrät, mit welchen Methoden Betroffene dem Heuschnupfen den Kampf ansagen können.

In der Schweiz ist die Anzahl Allergiker stark angestiegen. Weshalb?

Timur Taskesen: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Unser Immunsystem wird immer mehr belastet. Einerseits geschieht dies durch die zunehmende Luftverschmutzung, den Feinstaub und die Pollen in der Luft, zum anderen schwächt die Einnahme von Medikamenten unsere körpereigene Abwehr. Eine allergische Erkrankung hängt aber auch von unserer genetischen Veranlagung ab. Sie sind quasi zu einer Volkskrankheit geworden, weil sie immer häufiger auftreten.

Sind Allergien denn vererblich?

Ja. Ob man an Allergien leidet, hängt mit der genetischen Veranlagung zusammen. Wenn die ­Eltern starke Allergiker sind, liegt die Wahrscheinlichkeit beim Kind, eine Allergie zu entwickeln, bei 60 bis 80 Prozent. Wie stark jemand auf Allergene reagiert, ist aber auch davon ­abhängig, wie gut sein Immunsystem ist.

Kann man in jedem Alter noch zum Allergiker werden?

Das ist tatsächlich so. Das Thema ist in der Medizin lange Zeit aber immer eher stiefmütterlich behandelt worden. Man dachte häufig, eine Allergie entwickle sich im jungen Alter, aber ältere Menschen können genauso betroffen sein. Mit zunehmendem Alter schwinden nämlich die Abwehrkräfte, und das Immunsystem wird anfälliger.

Welche Symptome treten bei Pollen-Allergikern auf?

Betroffene leiden oft an tränenden und brennenden Augen, einer ­laufenden Nase sowie trockenem Husten. Auch trockene Hautstellen an Händen, Knöcheln oder im Mundbereich können Anzeichen auf eine allergische Reaktion sein.

Nützliche Tipps vom Experten finden Sie hier.

Wie wird man den Heuschnupfen los?

Da gibt es verschiedene Massnahmen, um die Symptome bei Pollenflug zu mildern. Oftmals helfen bereits Augentropfen und Nasensprays, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Auch Antihistaminika in Tablettenform können die Symptome lindern. Dabei sollen Dauer der Einnahme und Dosierung vom Facharzt bestimmt werden.

Wann empfehlen Sie Betroffenen eine Desensibilisierung, auch Immuntherapie genannt?

Wenn die Allergie sehr stark auftritt, lohnt es sich, über eine Desensibilisierung nachzudenken. Das kann heutzutage nicht nur durch die Spritze, sondern auch über Tropfen oder Tabletten er­folgen. Je nachdem wie alt man ist, kann man die Allergene damit gut unter Kontrolle bekommen. Grundsätzlich gilt: Je früher man mit der Desensibilisierung beginnt, umso grösser sind die Erfolgschancen, die Allergie tatsächlich loszuwerden.

Wie stehen Sie zu Behandlungen mittels Akupunktur oder Kortisonspritzen?

Alternative Methoden wie Akupunktur können eine gute er­gänzende Behandlungsmethode sein. Allein ist die Behandlung durch Akupunktur aber meist zu schwach. Kortisonspritzen empfehle ich in den meisten Fällen nicht, weil man mit vielen Nebenwirkungen rechnen muss. Ausserdem unterdrücken sie bloss für kurze Dauer die Symptome, langfristig helfen sie aber nicht, Allergien loszuwerden.

Autor: Tina
Schöni

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare können nur von registrierten Benutzern erfasst werden. Gehe zur Registrierung.