Winterthur

«Fussballplatz – Welt im Kleinformat»

Seit Wochen herrscht in ganz Europa das Fussballfieber. Auch Winterthur steht mit seiner Begeisterung für die EM und den zahlreichen Public Viewings ganz im Zeichen des beliebtesten Ballsports. Im «StadTalk» in der Coalmine diskutierten Andreas Mösli, Geschäftsführer des FC Winterthur und Ex-Fussballer Daniel Gygax über das Phänomen.

von
Anouk
Batt
Uhr

«Die diesjährige EM bringt ganz schön viele Überraschungen», eröffnet Moderator Michael Zollinger das Gespräch. Ein Raunen geht durch den Raum. «Ja, das hat schon etwas. Die sogenannten Kleinen schlagen sich gut und die Favoriten stolpern sich durch», antwortet Andreas Mösli. Dies sei für Daniel Gygax nicht ganz so überraschend. Gerade der Erfolg der Isländer, die es mit ihrem eisernen Willen und dem grossen Kampfgeist bis ins Viertelfinal geschafft haben, ist für ihn nachvollziehbar. «Die U21 der isländischen Nati erreichte bereits an der letzten EM den Halbfinal. Das muss was heissen», so der 35-jährige Fussballer.

Zu viele Erwartungen?

Auch die Schweizer Nationalmannschaft wird bei der Diskussion schnell zum Thema. «Sind unsere Erwartungen zu hoch? Ist die heutige Nati besser als die vorherige?» Daniel Gygax schüttelt grinsend mit dem Kopf. «Heute ist es anders als früher. Es steht eine neue Generation auf dem Platz, von der viele Spieler die U-17-WM im 2009 gewonnen haben.» Diese Fussballer hätten ein anderes Auftreten und würden der Öffentlichkeit so auch andere Erwartungen vermitteln. Und schon wird das Gespräch auf Granit Xhaka geleitet, der den entscheidenden Penalty gegen Polen nicht verwertete. Obschon er eine tadellose EM spielte, wurde er nach dem Ausscheiden zum Leidtragenden. Daniel Gygax zeigt Symphathien für ihn: «Das Penaltyschiessen ist eine Lotterie. Man trifft oder eben nicht. Dazu kommt, dass der Weg von der Mittellinie bis zum Elf­meterpunkt extrem lang ist. Da gehen einem viele Dinge durch den Kopf.»

Rücktritt von Daniel Gygax

Daniel Gygax muss es wissen: Mit 35 Spielen in der Nati hatte auch er schon die Aufgabe, den Ball am Torwart vorbeizubringen. Seine Profikarriere gestartet hat der gebürtige Aargauer im 2001 beim FC Zürich. Während vier Jahren avancierte Daniel Gygax zum Stammspieler bei den Zürchern und erreichte beim FCZ Kultstatus. Ab 2005 setzte er seine Karriere im Ausland fort und wechselte nach Frankreich in die Ligue 1 zum Vizemeister OSC Lille

Später tobte sich Daniel Gygax beim FC Metz (FR) und in Nürnberg aus, bevor er zurück in der Schweiz beim FC Luzern, FC Aarau und beim FC Le Mont spielte. Diesen Sommer wechselt er nun zu Zug 94 in die erste Liga, wo er als Spieler, Assistenztrainer der U13 sowie Stürmertrainer tätig sein wird. «Ich hatte eine tolle Zeit als Profifussballer. Nun freue ich mich auf das Neue.»

Winterthur ohne Hauptsponsor

Nebst der Zukunft des Mittelfeldspielers wurde in der Coalmine auch über die Aussichten des FC Winterthur diskutiert. «Unser  Hauptsponsor, die Keller AG, wird uns in Zukunft nicht mehr finanziell unterstützen», informiert Andreas Mösli. Mit einem jährlichen Betrag von bis zu einer Million Franken sei dies bei einem Budget von insgesamt 4,2 Millionen fatal. Nun heisst es für den authentischen Fussballclub: Einen neuen Sponsor zu finden.

Dabei will der Verein so «winterthurerisch» wie möglich bleiben. Denn sowohl Daniel Gygax als auch Andreas Mösli sind sich sicher, die Winterthurer Schützenwiese ist Fussballkultur. «Auf unseren Plätzen trifft man auf die unterschiedlichsten Menschen. Egal ob dick, dünn, gross, klein, Schweizer oder Ausländer. Die Fussballwiese ist die Welt im Kleinformat», so der Geschäftsführer.

Autor: Anouk
Batt

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