Winterthur

Firmen wollen mehr Frauen in Spitzenpositionen

Der Frauenanteil an den Firmenspitzen von Schweizer Unternehmen ist gestiegen. Winterthurer Firmen möchten diesen Trend fortsetzen, jedoch mit verschiedenen Methoden. Die Industrie-Unternehmen hätten Schwierigkeiten geeignete Frauen für die zwei höchsten Gremien zu finden, weil das weibliche Geschlecht in ihren Branchen weiterhin rar sei.

von
Michael
Hotz
Uhr

In der Schweiz sind an den Firmenspitzen mehr Frauen tätig als auch schon. (Symbolbild: Tim Reckmann/pixelio.de)

Die Schweizer Unternehmen konnten in den vergangenen zwölf Monaten den Frauenanteil an den Firmenspitzen steigern. Dies geht aus dem aktuellen Schillingreport hervor, der jährlich die rund hundert grössten Firmen unseres Landes diesbezüglich untersucht.

Mehr als ein Fünftel aller neuen Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder ist weiblich. Deshalb stieg der Anteil von Frauen auf oberster Management-Stufe von 6 auf 8 Prozent. In den Verwaltungsräten war in diesem Bereich ebenfalls eine Steigerung auszumachen. 17 Prozent der Mandate besetzt eine Frau.

In vielen europäischen Ländern ist der Frauenanteil an Firmenspitzen jedoch höher. Um den Anschluss an die anderen Nationen Westeuropas in der sogenannten «Gender Diversity» nicht zu verlieren, müsse die Schweiz den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, so der Bericht. Wie sieht also die Lage dazu bei Winterthurer Unternehmen aus?

Acht Winterthurer Firmen im Fokus

Acht grosse Unternehmen, die in Winterthur angesiedelt sind, wurden analysiert und dazu befragt. Es sind die Versicherungsfirmen Axa Winterthur und Swica, die Industrieproduzenten Burckhardt Compression, Kistler Instrumente, Rieter und Sulzer, der Automobil-Zulieferer Autoneum sowie die Detailhandelsorganisation Volg Konsumwaren AG.

Die Durchschnittswerte der Frauenanteile in den beiden höchsten Unternehmensgremien über alle acht Firmen hinweg liegen beide knapp über 10 Prozent. Der Wert für die Geschäftsleitungen von 11,3 Prozent ist somit etwas höher als der landesweite Anteil.

Die Zahlen zu den acht Unternehmen:

Bei den Verwaltungsräten ist es umgekehrt. 10,7 Prozent der Aufsichtsmandate belegt bei den acht Winterthurer Unternehmen eine Frau – also mehr als 6 Prozentpunkte weniger als im Schweizer Vergleich.

Vorbildliche Axa Winterthur

Vorreiterin in der geschlechterspezifischen Diversität ist die Axa. Beim Winterthurer Versicherer nehmen Frauen sowohl in der Geschäftsleitung wie auch im Verwaltungsrat Einsitz. Insgesamt sind 5 der total 18 Personen der beiden Gremien weiblich.

Yvonne Seitz, Axa-Leiterin der Abteilung für Diversität und Mitarbeiter­attraktivität, sagt dazu: «Unsere Diversity-Strategie verfolgt unter anderem das Ziel eines ausgewogeneren Geschlechterverhältnisses im Management. Denn wir sind davon überzeugt, dass gemischte Teams zu besseren Lösungen kommen, weil diese umfassender durchdacht sind.»

Auch Burckhardt Compression liegt über dem Schweizer Schnitt. Beim Kompressoren-Hersteller in Oberwinterthur ist unter den jeweils fünf Mitgliedern der Geschäftsleitung sowie des Verwaltungsrats je eine Frau. Saskia Hengartner, Kommunikationsleiterin bei Burckhardt, sagt: «Wir sind überzeugt, dass gemischte Teams bessere Leistungen bringen.»

In der Industrie fehlen Frauen

Keine Frauen an der Firmenspitze haben Autoneum, Kistler Instrumente und Rieter. Relindis Wieser von Rieter betont, dass ihr Arbeitgeber daran sei, in diesem Bereich Fortschritte zu machen. So sagt sie: «Wir arbeiten konsequent an der Umsetzung von der Diversität in all ihren Dimensionen.»

Was meinen Sie: Sind genügend Frauen in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte von Winterthurer Firmen vertreten? Teilen Sie uns Ihre Meinung in der Kommentarleiste mit.

Autoneum-Kommunikationsleiterin Anahid Rickmann weist darauf hin, dass die interne Förderung von Frauen limitiert sei, weil der «Anteil von Frauen in der produzierenden Industrie grundsätzlich niedrig ist». Aufseiten von Sulzer – der Winterthurer Industriekonzern beschäftigt eine Frau in seinem Verwaltungsrat – wird dies von Kommunikationsleiter Rainer Weihofen ebenfalls bedauert: «Leider sind in den Berufsgruppen Maschinenbau und Elektrotechnik weiterhin nur wenige Frauen zu finden, die später in Kaderpositionen aufsteigen könnten.»

Zwei Unternehmen sind auf der Suche

Auf das Manko, dass Frauen in technischen Berufen nach wie vor untervertreten sind, macht auch Rolf Sonderegger, CEO der Kistler Gruppe, aufmerksam. Trotzdem: «Es ist unser Ziel, den Frauenanteil in allen Entscheidungsgremien zu erhöhen. Für den Verwaltungsrat suchen wir aktiv ein qualifiziertes weibliches Mitglied.»

Ähnlich klingt es bei der Swica. «Wir sind in beiden Gremien sehr offen dafür, Frauen einzustellen», sagt Silvia Schnidrig, Kommunikationsleiterin des Winterthurer Versicherungsunternehmens. Die Swica hat zurzeit eine Frau im siebenköpfigen Verwaltungsrat.

Verschiedene Programme für Frauen

Einige der acht Unternehmen haben spezifische Programme, mit denen Frauen intern gefördert werden. Etwa bei der Axa Winterthur und bei der Fenaco Genossenschaft, zu der die Volg Konsumwaren AG gehört. So etablierte die Axa vor zehn Jahren die sogenannte Diversity-Stelle, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Unternehmen steigern soll.

Zum Vorgehen der Fenaco sagt Robert Wirz, Leiter des Personalwesens für die Region Ostschweiz: Wir machen uns bei der Förderung von Nachwuchskräften und der Besetzung von Führungspositionen gezielt auf die Suche nach gut qualifizierten Frauen.»

Bei Autoneum ist man in diesem Jahr dabei, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten, wie Anahid Rickmann mitteilt. Zurzeit würden Frauen im Rahmen der generellen Anstrengungen in den Entwicklungsprogrammen berücksichtigt. So gehen auch die anderen Unternehmen vor, Talente werden individuell, aber nicht geschlechterspezifisch gefördert.

Fazit: Frauenanteil soll steigen

Alle acht Unternehmen haben ihre eigenen Methoden, damit Frauen künftig vermehrt in Kaderpositionen anzutreffen sind. Die Firmen sind überzeugt, dass durchmischte Teams bessere Leistungen erbringen.

Eine Tatsache, die wissenschaftlich belegt ist, auf die auch Robert Wirz von Fenaco hinweist. So haben die acht Winterthurer Unternehmen das Ziel, den Frauenanteil an ihren Firmenspitzen zu erhöhen.

Autor: Michael
Hotz

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