Winterthur

Familie Erb darf bis Ende August im Schloss Eugensberg bleiben

Aufschub für die Familie Erb: Sie muss das Schloss Eugensberg in Salenstein erst per Ende August verlassen. Darauf hat sie sich mit dem Konkursamt des Kantons Thurgau geeinigt. Potentielle Käufer für das Schloss sind bereits vorhanden.

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Die Familie Erb darf bis Ende August im Schloss Eugensberg bleiben. (Bild: Keystone)

Eigentlich hätte die Familie Erb das Schloss in Salenstein bereits per 1. Mai verlassen müssen. So hatte es das Bundesgericht angeordnet. Die Familie äusserte jedoch den Wunsch, bis zum vorgesehenen Schulwechsel der Kinder im Schloss bleiben zu können.

Dieser Wunsch wurde der Familie zugestanden, wie die Staatskanzlei des Kantons Thurgau am Freitag mitteilte. Sie kann nun bis zum Ende des Schuljahrs und dem Bezug der neuen Wohnung im Schloss wohnen bleiben. Neuer Termin ist der 30. August.

Vereinbarung mit Gläubigern

Dieses Zugeständnis ist Teil einer Vereinbarung, die das Konkursamt - in Absprache mit den Gläubigervertretern - Anfang März mit der Familie getroffen hat. Das war rund einen Monat vor dem Tod von Rolf Erb am 8. April.

In der Vereinbarung ging es hauptsächlich darum, noch offene Fragen bezüglich verschiedener Vermögenswerte zu klären, die den Gläubigern zustehen. Durch den Abschluss könnten nun unter anderem «verschiedene Vermögenswerte in Millionenhöhe aus dem Fürstentum Liechtenstein unkompliziert in die Konkursmasse überführt werden», heisst es weiter.

Interessenten für Schloss und Villa

Zudem wurde vereinbart, dass nun über das gesamte und vollständige Schlossinventar verfügt werden kann. Dieses kann jetzt bei Bedarf zusammen mit dem Schloss verwertet werden.

Für das historische Anwesen Schloss Eugensberg und die dazugehörenden Gebäude und Liegenschaften im Umfang von über 80 Hektaren besteht gemäss Staatskanzlei bereits «eine umfangreiche Liste von Interessenten». Erste Vorbereitungshandlungen für den Verkauf wurden gemacht. Dieser soll im Sommer starten.

Auch für die Villa Wolfensberg in Winterthur gebe es bereits Interessenten. Momentan wird abgeklärt, was auf dem Grundstück baulich möglich ist, «um danach einen optimalen Verkauf der Liegenschaft erzielen zu können».

Schlosshof Immobilien AG wird verkauft

Bereits einen Schritt weiter ist man bei der Schlosshof Immobilien AG. Die Gesellschaft, zu der auch das Zentrum Töss und zahlreiche Mehrfamilienhäuser gehören, soll als Ganzes verkauft werden. Die Verhandlungen dazu sind weit fortgeschritten: Der Interessent mit dem besten Angebot hat bereits einen Vorvertrag abgeschlossen.

Am 21. Mai werden anlässlich der prestigeträchtigen Autoveranstaltung «Spa-Classic» auf der Rennbahn «Circuit de Spa-Francorchamps» die Oldtimer der Familie versteigert. Unter den zwölf Fahrzeugen befinden sich ein Aston Martin V8 Volante, zwei Rolls Royce, mehrere Maserati, Mercedes Benz und Jaguar sowie ein Lamborghini und ein Ford Mustang.

Todesursache ist noch unbekannt

Rolf Erb war der letzte Konzernchef der Winterthurer Erb-Gruppe, die 2003 Konkurs ging. Nach dem Swissair-Konkurs gilt dies als die zweitgrösste Firmenpleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Der Schaden soll sich auf mehrere Milliarden belaufen haben, und Erb wurde zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Erst im März hatte das Bundesgericht eine Beschwerde des 65-Jährigen gegen den Haftantritt abgewiesen. Erb, der stets alle Vorwürfe abgestritten und die Schuld seinem verstorbenen Vater Hugo zugeschoben hatte, hatte sich dagegen gewehrt und akute Selbstmordgefahr geltend gemacht.

Rolf Erb wurde am 8. April tot aufgefunden. Noch wird abgeklärt, ob es sich um einen natürlichen Tod oder um einen Suizid handelte. Wie die Kantonspolizei Thurgau am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte, seien noch nicht alle toxikologischen Auswertungen bekannt. Die Todesursache werde erst bekannt gegeben, wenn alle Ergebnisse vorliegen würden. (sda)

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