Paten des Bengo Campo

Die eingefleischten FCW-Fans aus England

Seona und Pete Rowing kamen vor neun Jahren in die Schweiz nach Kollbrunn. Seitdem ist das englische Ehepaar ständiger Begleiter des FC Winterthur. Die beiden haben den FCW fest in ihr Fussballerherz geschlossen. Nun sind die Rowings auch Paten des Bengo Campo. Sie bezahlen einem Kind aus ärmlichen Verhältnissen die Teilnahme am Winterthurer Fussballcamp.

von
Michael
Hotz
Uhr

Patrick Bengondo und Patrik Schuler stecken mitten in den Vorbereitungen ihres Fussballcamps. Die beiden ehemaligen Spieler beim FC Winterthur organisieren in der ersten Herbstferienwoche vom 9. bis 13. Oktober das Bengo Campo.

Winterthurer Nachwuchskicker sollen sich während des Camps auf dem Sportplatz Flüeli wie echte Fussballprofis fühlen – und zwar alle, auch Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen leben. Patrik Schuler und Patrick Bengondo riefen dafür extra ihr Götti-Projekt ins Leben.

Insgesamt 25 Göttis fürs Bengo Campo

Die zwei Organisatoren suchten und fanden insgesamt 26 Paten, die die Camp-Gebühren für ein Mädchen oder einen Jungen bezahlen, deren Eltern sich das Bengo Campo ansonsten nicht leisten könnten. Eine dieser Götti-Funktionen übernahmen Seona und Pete Rowing.

Das englische Ehepaar aus Kollbrunn sah auf Facebook, dass Patrick Bengondo und Patrik Schuler nach Göttis suchen. Sie fragte ihren Mann: «He Schatz, machen wir mit?» Er antwortete trocken: «OK, klar.»

Stammplatz gleich neben der Bierkurve

Die Entscheidung fiel den Rowings leicht. Nur zu gerne unterstützen sie Winterthurer Nachwuchsfussballer. Seona und Pete Rowing gehören zu den eingefleischten Fans des FC Winterthur. Die beiden sind grundsätzlich an jedem FCW-Heimspiel anzutreffen. Ihr Stammplatz ist seit dem Bau der neuen Ost-Tribüne im Sektor C, gleich neben der Bierkurve. Meistens mit dabei: eine englische Fahne.

Die Rowings bei Schützi TV (Quelle: Youtube):

Auch an Auswärtsspielen des FCW sind die Rowings öfters. Die Stadien in Wohlen, Le Mont, Chiasso und Co. kennen sie alle. Einige der Fussballtempel gefallen dem englischen Ehepaar aber nicht so. «Das Stadion in Wil gleicht eher einem Gefängnis. Man fühlt sich als Fan wie in einem Käfig», berichtet Seona Rowing. Dafür sei beispielsweise die Tissot Arena in Biel sehr schön.

Die Atmosphäre auf der «Schützi» war ausschlaggebend

Natürlich finden die beiden FCW-Fans viele lobende Worte für die Schützenwiese. Vor allem die Atmosphäre sei wunderbar. Pete Rowing schwärmt: «Die Bierkurve heisst alle Fussballfans herzlich willkommen – egal woher sie kommen. Die Stimmung ist immer gut, auch nach dem Spiel in der Libero-Bar.» Sehr wichtig sei für sie als Fans, dass sich die Spieler nach jedem Spiel unabhängig vom Resultat noch bei der Bierkurve bedanken.

Dieses spezielle «Schützi» -Erlebnis fiel den Rowings gleich bei ihrem ersten Besuch der FCW-Heimstätte auf. Vor neun Jahren kamen die beiden in die Schweiz, Pete Rowing war ein Job in Rudolfingen als Leiter für die Qualitätssicherung angeboten worden. Am Hauptbahnhof Winterthur entdeckte er eines Tages ein Plakat fürs letzte Heimspiel der Saison. Er und seine Frau gingen hin.

Das Spiel war eine Enttäuschung. «Die langweilige Partie endete 0:0», erinnert sich der Kollbrunner zurück. Doch das Drumherum überzeugte, Seona und Pete Rowing kauften sich gleich zwei Saisonkarten für die nächste Saison.

Dies war der Anfang einer grossen Fan-Liebe. Mit dem FC Winterthur fanden die Rowings einen Verein, den sie beide unterstützen. In ihrem Heimatland ist das anders: Er ist Fan von Doncaster Rovers, ihr Herz schlägt für Leeds United.

«YB ist nervös»

In der abgelaufenen Spielzeit waren die Rowings weniger als sonst auf der Schützenwiese anzutreffen. Seona Rowing litt an Rheuma-Beschwerden. Die Dentalhygienikerin konnte über eine längere Zeitdauer nicht stehen. Mittlerweile habe sie ihre gesundheitlichen Probleme wieder im Griff. Ganz vom Fussball konnten die beiden aber auch letzte Saison nicht lassen. So waren die Rowings etwa in Bern zugegen, als der FCW sich im Cup-Viertelfinal gegen YB im Elfmeterschiessen durchsetzte.

Hier nochmals die Highlights vom Berner Cup-Wunder (Quelle: Youtube):

Wenn die beiden von diesem kleinen Cup-Wunder berichten, beginnen ihre Augen zu leuchten. «Die Partie in Bern war der Wahnsinn», sagt Pete Rowing. Seine Frau fügt an: «Nach dem Ausgleich in der zweiten Halbzeit sangen wir Fans ‹YB ist nervös› – Gänsehaut pur. Ich glaube unsere Euphorie hat auch die Winterthurer Spieler weiter beflügelt.»

Das Patenkind darf später nicht zum FC Basel

Weniger gut bleibt ihnen die Folgepartie gegen Basel in Erinnerung. Das Ausscheiden gegen den haushohen Favoriten aus Basel ist für ihre Fan-Seele immer noch bitter. Den entscheidenden Moment, als Schiedsrichter Sascha Amhof einen Penalty für den späteren Cup-Sieger pfiff, beurteilen die Rowings weiterhin als klare Fehlentscheidung.

Dass mit Manuel Akanji ausgerechnet ein ehemaliger FCW-Spieler ein Tor für Basel erzielte, war für die zwei Fans ebenfalls nicht einfach zu verdauen – auch wenn sie dem jungen Verteidiger aus Wiesendangen den Erfolg gönnen. So meint Pete Rowing scherzhaft: «Wenn der Junior, dem wir die Camp-Gebühren bezahlen, später einmal für den FC Basel spielt, wollen wir nach dem Wechsel unser Geld zurück.»

Autor: Michael
Hotz

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