Pfungen

«Die Flüchtlinge brauchen mich»

Drei Jahre diente Andreas Goerlich der Reformierten Gemeinde Pfungen als Pfarrer. Nun muss sie sich Ende August von ihm verabschieden: Der 52-Jährige möchte seine Projekte in den Flüchtlingscamps im Irak weiter ausbauen.

von
Carla
De-Vizzi
Uhr

Helfer mit Herz: Andreas Goerlich wird ab Ende August im Irak wohnen. (Bild: Carla De-Vizzi)

Seit drei Jahren reist Andreas Goerlich im Rahmen der Syrienhilfe regelmässig in den Irak (siehe «Stadi» vom 19. April). Dort besucht er die

syrischen Bewohner der Flüchtlingscamps und hilft, wo er nur kann.

Nun gibt der Seelsorger sein Pfarramt in Pfungen ab, um sich für zwei Jahre der Syrienhilfe zu widmen. Ob Andreas Goerlich nach seiner Auszeit das Amt als Pfarrer wieder annehmen kann, ist unklar.

An der Kirchenversammlung im Herbst werde beschlossen, ob man für ihn eine Vertretung suche oder ob er ganz ersetzt werde. Für den Pfarrer steht aber fest: «Ich würde das Amt sofort wieder annehmen.»

Ihr Entscheid, die Reformierte Pfarrgemeinde Pfungen zu verlassen, kam überraschend. Weshalb sind Sie zu diesem Entschluss gekommen?

Andreas Goerlich: Nach Ostern hatte ich das Gefühl, dass ich nur predigte. Ich erzählte im Gottesdienst, wie man helfen könnte, doch selbst konnte ich meine Worte nicht so umsetzen, wie ich es wollte. Die eine Woche, die ich alle drei Monate im Irak bin, reicht nicht aus, um die Projekte eng zu begleiten. Deshalb habe ich beschlossen, mich zwei Jahre lang auf die Syrienhilfe zu konzentrieren und so meinen Beitrag zu leisten.

Letzten Februar wurden sie als Pfarrer wiedergewählt. Was glauben Sie, schätzt die Gemeinde an Ihnen?

Die Bewohner mögen meine natürliche Art. Ich war für sie nicht nur Gemeindepfarrer, sondern auch ein normaler Mitbürger. Oft hat man mich auch an Anlässen angetroffen, die keinen religiösen Ursprung haben.

Zudem haben sie geschätzt, dass ich die Gemeinschaft in Pfungen gefördert habe. Besonders meine persönlichen Quartierbesuche, bei denen ich Mitgliedern der Reformierten Gemeinde einen Besuch abstattete, stiessen auf positives Echo.

Nun haben Sie vor, Ihre Projekte der Syrienhilfe auszubauen. Was heisst das genau?

Ich werde Ende August nach Dohuk im Nordirak gehen und zwei Jahre dort wohnen. Die Grossstadt ist in der Nähe der Flüchtlingscamps, die ich betreue, und deshalb an optimaler Lage. Vor Ort arbeite ich eng mit der Organisation The Humanity Initiative zusammen. Mit ihnen werde ich bereits bestehende Projekte vertiefen und neue realisieren. Eine Idee ist es, ein Fussballturnier für Waisenkinder zu organisieren.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen?

Damit die Flüchtlinge etwas zu tun haben und sie ihr eigenes Geld verdienen, versuchen wir in den Camps Arbeitsplätze zu schaffen. Die Syrienhilfe hat bereits zwei Bäckereien, zwei Nähateliers und einen Coiffeursalon eröffnet, ein Taxi sowie Anteile an einer Schafherde gekauft. Dadurch sind einige Campbewohner beschäftigt.

Da die Flüchtlinge seit drei Jahren dort wohnen, haben diese Projekte Priorität. Früher haben wir Nothilfe geleistet, jetzt ist es Arbeitshilfe. Wenn die Menschen in den Lagern nicht so schnell wie möglich Arbeit oder eine Beschäftigung haben, bricht das Chaos aus. Ihr Leben muss weitergehen und sie müssen etwas erleben.

Was waren Ihre Eindrücke, als Sie das letzte Mal vor Ort waren?

Als ich im Juni dort war, zeigten sich die Flüchtlinge hoffnungsvoll. Sie freuten sich, dass ich bald kommen und für zwei Jahre bleiben werde. Die Menschen schätzen es, wenn jemand für sie da ist und sie unterstützt. Sie brauchen mich.

Autor: Carla
De-Vizzi

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