Werkstatt Renegade Customs

Töffs aus Uster, die auf der ganzen Welt gefallen

Durch ein Interview auf einem australischen Szeneblog wurde Michael Stierli und seine Werkstatt Renegade Customs einem breiten Kreis bekannt. Anfang Jahr ist sein dritter Töff in Uster angekommen.

von
Zeno
Bernhard
Uhr

Die Begeisterung steht Michael Stierli ins Gesicht geschrieben, wenn er seine Harley-Davidson aus der Garage seines Hauses in Uster holt. «Eigentlich ist es schade, sie verkaufen zu müssen – wo sie mir doch so gefällt.»

Einige Momente später, als er für ein Foto mit seinem Motorrad posiert, geht im Hintergrund ein Fenster auf. Was das für eine Harley sei, fragt ein junger Mann, der durch den brummenden Auspuff aufmerksam geworden ist. Stierli schlüpft sofort in die Rolle des Verkäufers, Fachbegriffe werden ausgetauscht. Das Gespräch endet jedoch wie die meisten, wird Stierli später sagen: Viele Menschen zeigten Interesse an seinem Café Racer, einem aufs nötigste reduzierte Rennmotorrad (siehe Box) – aber nur wenige kontaktieren ihn dann wirklich wegen eines Kaufs.

Ein Post auf Facebook

Positive Reaktionen standen bereits am Anfang von Renegade Customs, wie Stierli seine Werkstatt nennt. Ursprünglich arbeitete der gelernte Kaufmann mit Freunden an Motorrädern, ohne den Gedanken, diese zu verkaufen. Auf Fahrten mit seinem auf Renegade One getauften Custom-Bike der Marke Triumph wurde er immer wieder auf den Renner angesprochen, den er selbst umdesignt hatte. Daraus entstand die Idee, den Fortschritt der Umgestaltung auf soziale Netzwerke zu stellen.

Remus-Soundcheck:

(Quelle: Facebook)

 

Wenig später klopfte ein in der Szene bekannter Blogger aus Australien bei Stierli an. Er machte ein Interview mit dem Ustermer. Das Bild zum Interview mit dem Titel «Return of the Café Racers» wurde auf Facebook mehr als tausendmal geliked. Die Seite selbst hat über eine halbe Million Abonnenten. Dieser Erfolg motivierte Stierli, sein «Werken» etwas zu professionalisieren.

Zu den Social-Media-Profilen kam eine Website, zum Töff bald auch eigene Kleider mit dem Logo von Renegade Customs. Zusätzlich zum Renegade One kam im letz-ten Frühling Renegade Two, die Harley-Davidson, die vor Kurzem fertig wurde.Aufgrund der geleisteten Arbeitsstunden müsste Stierli einen horrenden Preis verlangen. «Für mich steht aber der Spass im Vordergrund, deshalb verrechne ich die Arbeit an meinen Custom-Bikes nicht», sagt er. Ende Januar ist bereits der dritte Töff eingetroffen, der sich gerade im Umbau befindet. Der zweite steht inzwischen zum Verkauf.

Keine Veränderungen am Motor

Der 30-Jährige verändert seine Töffs vor allem oberflächlich. «Einerseits will ich nicht viel an der Motorentechnik verändern, weil man dabei in der Schweiz gesetzlich eingeschränkt ist. Andererseits glaube ich auch, dass ein originaler Motor zu mehr Vertrauen seitens der Kunden führt.» So beschäftigt sich Stierli oft mit Scheinwerfern, Lack, Auspuffanlagen oder einem neuen Sitzleder. «Damit kann man bereits viel am Aussehen verändern.»

 

Café Racer

Als Café Racer bezeichnet man aufs Nötigste reduzierte Rennmotorräder, die ursprünglich für Kurzstreckenrennen eingesetzt wurden. Sie wurden in den 1960er Jahren in England erfunden. Die Jungen trafen sich dort in Cafés, um sich danach schnell wieder auf den Sattel zu schwingen und sich Rennen zu liefern. Inzwischen wird der Name auch von Grossherstellern für neue Produktionen verwendet.

Autor: Zeno
Bernhard

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