Dübendorf

Martin Bäumle: Mehr als ein Taschenrechner

Zwei Oberländer peilen neben einem Sitz im National- auch einen Platz im Ständerat an. Der Dübendorfer Finanzvorstand Martin Bäumle (GLP) ist einer davon.

von
Kerstin
Dietrich
Uhr

Martin Bäumle, der Ständeratskandidat der Grünliberalen, trifft leicht verspätet beim Restaurant Bahnhof in Dübendorf ein. Er hat dies rechtzeitig per SMS mitgeteilt. Am Vormittag noch an Sitzungen in Bern, hat Bäumle über Mittag seinen Rotary Club in Dübendorf besucht.
Der GLP-Nationalrat trägt einen dunkelblauen Anzug und ein weisses, kurzärmliges Hemd, den Rucksack hat er umgeschnallt. Sein Tagesprogramm sieht einen Abstecher ins Wallis nach Visp vor. Dort zeichnet das Schweizer Fernsehen die «Arena» zum Thema Wirtschaft auf. Bäumles Meinung als Parteipräsident der Grünliberalen ist gefragt. Da er eine kleine Partei vertritt, steht er bloss in der zweiten Reihe, und die Zahl seiner Wortmeldungen wird klein sein.

Die Begeisterung für den Anlass hält sich wegen der langen Anreise und der damit verbundenen Zusatzbelastung denn auch in Grenzen. «Das Schweizer Fernsehen betreibt mit der ‹Arena›-Aufzeichnung im Wallis einen Riesenaufwand. Ich frage mich, was das mit Service public zu tun hat», sagt Bäumle.

Um 15.34 Uhr muss er den Zug ab Dübendorf nehmen. Gegen Mitternacht wird Bäumle wieder in Dübendorf zurück sein. Ein geruhsames Wochenende kann der Politiker vergessen: Am Samstagmorgen besucht er zunächst eine Standaktion in Stäfa, dann geht es weiter an den Greifensee, wo er an der Velorundfahrt seiner Bezirkspartei teilnehmen wird – was immerhin Bewegung garantiert.

Bäumles Agenda ist während des Ständeratswahlkampfs bei gleichzeitiger Session in Bern noch übervoll. Um dem Vorsatz nach mehr Ruhe nachzuleben, plant Bäumle eine Auszeit von fünf Tagen nach dem ersten Wahlgang Mitte Oktober. Umso wichtiger ist der effiziente Umgang mit der knappen Ressource Zeit. Diesen hat der Grünliberale schon während der Mittelschule gelernt. «Im Gymnasium war ich ein Minimalist, aber trotzdem pflichtbewusst.» Damit genügend Freizeit blieb, musste er den Schulstoff effizient bewältigen.

Rüebli statt Gipfeli

Hat sich der Herzinfarkt im letzten Frühling als Warnschuss also nicht nachhaltig ausgewirkt? Bäumle widerspricht. Er bewege sich heute mehr – gehe viele Strecken zu Fuss und habe seine Ernährung umgestellt. «Die Zeiten von Buttergipfel oder Schoggibrötli zum Frühstück sind vorbei», sagt er. Am Vormittag ernähre er sich von Rüebli und Äpfeln. Über Mittag verzichte er auf allzu fettige Speisen. Seit einem Jahr hält er das um 14 Kilogramm reduzierte Gewicht.

Die Medien thematisierten die Gesundheit des Politikers breit. Es war nicht das erste Mal, dass Bäumle auch mit den Boulevardmedien in Kontakt kam. Drei Jahre zuvor war seine Hochzeit mit der aus der Ukraine stammenden Yuliya ein gefundenes Fressen gewesen.

Der Grünliberale hat in beiden Fällen wohl keinen politischen Schaden genommen. Im Gegenteil: Er hat eher Sympathiepunkte gewonnen. Gemeinhin wird Bäumle reduziert auf seine Vorliebe für Berechnungen. Er ist jederzeit mit Excel-Tabellen im Gepäck anzutreffen, findet scheinbar für sämtliche Probleme eine errechnete Lösung. Mit «Der Kalkulator» war unlängst ein Bäumle-Porträt überschrieben. «Immerhin konnte ich Schlimmeres verhindern», sagt Bäumle. Der erste Vorschlag für den Titel sei «Der schnelle Brüter» gewesen. Eine Ohrfeige für Bäumle, der in der Anti-AKW-Bewegung politisiert wurde und sich wünscht, dereinst das letzte AKW in der Schweiz persönlich abzuschalten. «Selbst wenn ich dannzumal mit einem Rollator unterwegs sein sollte.»

Wissen, dann reden

Der Grünliberale hat Mühe mit dem Image als Taschenrechner. Er stehe aber dazu, Naturwissenschafter zu sein. «Ich will einen Sachverhalt verstehen, bevor ich darüber diskutiere und etwas behaupte», sagt Bäumle. Da würden Berechnungen manchmal dazugehören.

Bäumle sieht sich selber als Querdenker, der Lösungen einbringt, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. So sei es auch zur Gründung der Grünliberalen gekommen. Ausserdem sei er ein Vernetzer. Er versuche, Mehrheiten zu gewinnen, und könne es nicht immer an die grosse Glocke hängen, wenn eine Idee von ihm stamme. «Sonst ist sie vielleicht schon gestorben.» Kommt eine Vorlage durch, die er mitgeprägt habe, gebe ihm das den nötigen Kick.

Das Problem: Um Wähler zu gewinnen, muss auch das Stimmvolk wissen, was jemand geleistet hat. So ist Bäumle dazu übergegangen, zumindest die Vaterschaft der Idee für einen Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf für sich zu reklamieren. Ein Verdienst, das bis anhin seinem FDP-Mitbewerber Ruedi Noser allein zugeschrieben worden war. Man habe sich jetzt darauf verständigt, dass er der Vater und Noser die Mutter des Projektes sei.

Autor: Kerstin
Dietrich

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