Dübendorf

«Hätten die Abgas-Manipulationen nicht aufdecken können»

Während dreier Monate war an der Gockhauserstrasse eine spezielle Messstation des Awel installiert. Die dabei erhobenen Abgaswerte zeigen, dass besonders Dieselfahrzeuge noch immer viel zu viel Abgase ausstossen.

von
Laurin
Eicher
Uhr

Die Messstation liefert verschiedene Daten zu den vorbeifahrenden Fahrzeugen (Bild: Christian Merz)

Seit 15 Jahren führt das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) Abgasmessungen bei Personen- und Lieferwagen durch, zwecks Ermittlung des realen Emissionsverhaltens. Während 25 Tagen mass die Station heuer rund 75'000 Fahrzeuge. Nach wie vor stellen Motorfahrzeuge die wichtigste Schadstoffquelle in der Schweiz dar.

Licht, welches Abgas misst

Gemäss dem Leiter der Abteilung Luft des AWEL, Valentin Delb, seien «diese Messungen weltweit einmalig». Dies, weil es sich um die längste Messreihe dieser Art handle. Jedes Fahrzeug, welches die Messstation passiert, wird von zwei Videokameras aufgenommen. Dadurch registriert das System Angaben über Motorentyp und Fahrzeugkategorie. Fast zeitgleich passiert das Fahrzeug eine bodennahe Schranke, welche auf Höhe des Auspuffs einen ultravioletten und einen infraroten Strahl durch die Abgaswolke schickt. «Jede Art von Abgas ergibt ein anderes Signal», sagt Delb. So können die Konzentrationen der verschiedenen Abgase wie etwa Kohlenmonoxid (CO2) oder Stickoxide (NOx) gemessen werden.

Hauptverursacher Dieselfahrzeuge

Die Verursacher von Stickoxiden sind vorwiegend Dieselfahrzeuge. Diese stossen bis zu 20-mal mehr NOx aus als Benzinautos. «Sie stossen deutlich mehr aus, als es die Norm vorgibt», so Delb. Die Euro6-Norm etwa wird dreifach überschritten. Hinzu kommt, dass der Anteil dieselbetriebener Fahrzeuge in den letzten Jahren markant zugenommen hat. Valentin Delb glaubt aber, dass man mit den kontinuierlichen Verbesserungen seitens der Hersteller auf gutem Weg sei. Dennoch sei man heute «da, wo man vor 15 bis 20 Jahren sein wollte».

Neue Typenprüfungen gefragt

Angesprochen auf den Abgasskandal um den deutschen Hersteller VW sagt Delb: «Wir hätten diese Manipulationen nicht aus unseren Messungen aufdecken können.» Die manipulierten Abgaswerte hätten einen zu geringen Einfluss auf die zu hohen Messresultate. Bezüglich der Zukunft und dem Einhalten der Normen ist Delb verhalten zuversichtlich. Die heutigen Typenprüfungen seien momentan veraltet. «Wenn die Fahrzeuge in Zukunft in realen Situationen anstatt auf dem Prüfstand gemessen werden, sollte es besser werden.»

Autor: Laurin
Eicher

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