Weisslingen

Gerettete Schmucksäule ausgestellt

Vermutlich 1810 wurde die Schmucksäule hergestellt, die später den Eingang des Herrenhauses bei der Fabrik Schellenberg zierte, welches 2016 abgebrochen wurde. Jetzt steht das Schmuckstück vor dem Sprützehüüsli in Weisslingen.

von
Eduard
Gautschi
Uhr

Mit vereinten Kräften enthüllten Walter Denzler und Kuratorin Marie-Claire Toscano die Schmucksäule neben dem Eingang des Sprützenhüüslis. (Eduard Gautschi)

Am Dienstagabend, 12. September,  wurde – in einer kurzen Regenpause – die Schmucksäule mit einer kleinen Feier enthüllt. Rudolf Bolliger, Präsident des Historischen Vereins Weisslingen, begrüsste um 19 Uhr eine kleine, illustre Gästeschar. Gut vertreten war auch der Gemeinderat, der sich vor der noch verhüllten Schmucksäule unters Publikum gemischt hatte. Bolliger erklärte den Gästen in einer kurzen Ansprache den langen Weg, den die Schmucksäule hinter sich hatte, bis sie schliesslich auf dem kleinen Sandsteinsockel vor dem Sprützehüüsli platziert werden konnte.

Exkursion im Herrenhaus

Einst zierte sie den Eingang des Herrenhauses bei der ehemaligen Fabrik Schellenberg, nachmalig Hausammann und Moos. Das Gebäude wurde 2016 abgebrochen. Im Wissen darum, dass in der Liegenschaft historisch wertvolle Zeitzeugen zu finden waren, bemühte sich der Historische Verein erfolgreich darum, im Herrenhaus einen Augenschein vorzunehmen. Bei der Exkursion stachen den Verantwortlichen einige Kostbarkeiten ins Auge. Unter anderem auch die eicherne Schmucksäule.

Sie beschlossen, das Teil zu retten, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das aber war gar nicht so einfach. Erstens war es massiv aus Eiche und somit ziemlich schwer. Zweitens konnte es nur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt des Abbruchs entfernt werden. Und Drittens musste auch noch das Einverständnis des Gemeinderats eingeholt werden, damit man es beim Spützehüüsli  platzieren konnte.

Gedrechselte Säule

Bevor es soweit war, wurde die Säule beim Antikschreiner Walter Denzler zwischengelagert. Denzler nahm sich der Säule an und restaurierte sie sanft. Der Antikschreiner informierte die Gäste über die Herkunft der Säule. Wandernde Zimmermannsleute hätten diese Art der Verzierung und die dafür nötige Technik des Drechselns wohl in die Schweiz eingeführt. Es sei anzunehmen, dass bei den alten Mühlen mit ihren Wasserrädern auch gedrechselt worden sei, weil der dafür nötige Antrieb vorhanden gewesen sei.

Mit vereinten Kräften

Die nun vor dem Sprützehüüsli von Denzler und der Kuratorin des Ortsmuseums, Marie-Claire Toscano, mit vereinten Kräften enthüllte Schmucksäule besteht aus der Säule, einem Unterzug und dem sogenannten Knaggen, wie Denzler erläuterte.
Beim Platzieren und Befestigen der schweren Säule, kamen den Verantwortlichen mit ihren Helfern zugute, das sich in unmittelbarer Nähe eine Baustelle mit einem Kran befindet. Als der Kranführer sah, mit welchem hölzernen Ungetüm sich die Männer abrackerten, half er kurz entschlossen mit seinem Kran, um das schwere Teil auf dem Sandsteinsockel zu platzieren. Dort steht es jetzt und man darf ohne zu übertreiben sagen: Es ist eine Zierde.

Autor: Eduard
Gautschi

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