Mordkomplott im Bezirk Pfäffikon

Obergericht rügt Bezirksgericht Pfäffikon schwer

Der Prozess um einen Auftragsmord im Bezirk Pfäffikon, bei dem ein Familienvater beinahe vom Liebhaber seiner Frau getötet worden war, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dagegen haben sich Journalisten gewehrt – und nun das begründete Urteil des Obergerichts mit sämtlichen Details erhalten. Darin geht das Obergericht mit der Vorinstanz hart ins Gericht und spricht von «schlicht verfehlter» und «geradezu grotesker» Argumentation.

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Das Pfäffiker Bezirksgericht wurde vom Obergericht massiv gerügt, weil es viel zu milde und «geradezu grotesk» geurteilt hatte. (Archivbild: Nicolas Zonvi)

Im Januar 2013 wurde ein Familienvater im Bezirk Pfäffikon überfallen und schwer verletzt (wir berichteten). Auf seinem abendlichen Spaziergang mit dem Hund hatten ihn zwei maskierte Männer mit einem Armierungseisen und einem Messer angegriffen. Beim Schnitt in die Kehle verfehlte die Klinge nur um Haaresbreite die Halsschlagader. Der Vater konnte sich nach Hause schleppen und überlebte dank sofortiger medizinischer Hilfe.

Medien wehrten sich gegen Geheimhaltung

Im Zuge der Strafuntersuchung stellte sich zudem heraus, dass die Ehefrau ihren Liebhaber zum Mordversuch angestiftet hatte. Weitere Details erfuhr die Bevölkerung nicht, weil das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Auch Medien waren nicht zugelassen. Lediglich über die Urteile informierten das Pfäffiker Bezirks- und das Zürcher Obergericht in knappen Communiqués.

Dagegen wehrten sich verschiedene Medienhäuser, darunter die «NZZ». Im Februar dieses Jahres gab ihnen das Bundesgericht Recht: Der Ausschluss der Journalisten sei unverhältnismässig gewesen (wir berichteten). Das Gericht verfügte, dass das begründete Urteil des Zürcher Obergerichts den Beschwerdeführern anonymisiert zugänglich gemacht werde. Dieses Urteil liegt nun vor.

Urteil viel zu tief angesetzt

Darin rügt das Obergericht das erstinstanzliche Bezirksgericht Pfäffikon «in ungewöhnlich scharfen Worten», wie die «NZZ» berichtet. Letzteres hatte die Ehefrau und deren Liebhaber wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen und zu elf beziehungsweise achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Urteil sei völlig falsch, findet das Obergericht.

Die Ehefrau sei planmässig, perfide und unverfroren vorgegangen – und die vom Bezirksgericht angesetzte Strafe viel zu milde.

«Glück» für Mittäter

Der zweite Mann, der den Familienvater angegriffen hatte, war vom Bezirksgericht wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt worden. Als einziger hatte er das Urteil akzeptiert und war nicht vor Obergericht gelangt. Zu seinem Glück, wie es nun scheint. Denn das Obergericht hat die Strafen massiv verschärft: von 11 auf 16 Jahre sowie von 8,5 auf 13 Jahre Gefängnis.

Beim Mittäter handelt es sich um den Bruder des Liebhabers. Er sollte ihm helfen, nachdem dieser es tags zuvor nicht geschafft hatte, den Mord alleine zu begehen. Die Ehefrau hatte ihren Gatten unter einem Vorwand in einen abgelegenen Luftschutzraum geschickt, der Liebhaber war ihm gefolgt – hatte aber nicht den Mut gehabt, den Plan umzusetzen.

Gemäss Obergericht hatte die Ehefrau ihrem Liebhaber anschliessend gesagt, er solle einen Gehilfen organisieren, wenn er es allein nicht schaffe. Sie gab ihm detaillierte Informationen zum üblichen Abendspaziergang ihres Mannes und schärfte diesem noch ein, bis zum zweiten Abfallkübel zu gehen und ja nicht vorher umzukehren. Als er unterwegs war, informierte die Frau ihre Mittäter, die dem Ehemann dort auflauerten und ihn lebensgefährlich verletzten.

«Ins offene Messer laufen lassen»

Ihrem Liebhaber gegenüber habe die Frau angegeben, so das Obergericht, sie und die Kinder würden von ihrem Mann schlecht behandelt. Eine Scheidung würde dieser nie akzeptieren, sondern sie in diesem Fall mit dem Tod bedrohen. Sie habe ihren Gatten ins offene Messer laufen lassen.

Das Obergericht bezeichnet das Vorgehen der Ehefrau als «erschreckend egoistisch und gefühlskalt». Die Tat müsse als eigentlicher Eliminationsmord bezeichnet werden. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb das Bezirksgericht in der Tat keine besondere Skrupellosigkeit gesehen habe. «Exakt das Gegenteil ist der Fall», die Argumentation sei «schlicht verfehlt» und «geradezu grotesk».

Fall bis vor Bundesgericht

Beide Angeklagten hat das Obergericht im Oktober 2016 wegen versuchten Mordes verurteilt (wir berichteten).

Die Ehefrau sei in den Verhandlungen durch widersprüchliche Aussagen aufgefallen, habe Erinnerungslücken geltend gemacht oder die Aussage verweigert, so die «NZZ». Sie habe das Urteil – 16 Jahre Freiheitsstrafe – aber nun akzeptiert.

Nicht so der Liebhaber, dessen Strafe bei 13 Jahren Gefängnis angesetzt wurde. Damit wird der Fall nun auch noch das Bundesgericht beschäftigen. (khe)

Bereits Ende Juni hatte das Zürcher Obergericht das Bezirksgericht Pfäffikon gerügt. Dieses hatte damals mit seinem Urteil sogar den Verteidiger überrascht. Der hatte auf vorsätzliche Tötung plädiert – das Urteil lautete auf Totschlag mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Das Obergericht urteilte auf vorsätzliche Tötung und erhöhte die Strafe auf elf Jahre. (khe)

-> Die Details zum Pfäffiker Vatermord.

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