Illnau-Effretikon

Perspektiven anstatt starre musikalische Grenzen

Bereits zum 25. Mal findet das Kyburgiade-Festival vom 3. bis 7. August im Schloss Kyburg statt. Rund 100 Musiker aus 20 verschiedenen Ländern
nehmen das Publikum auf eine musikalische Reise in die Vergangenheit mit.

von
Carla
De-Vizzi
Uhr

Auch letztes Jahr war das Ambiente am Festival wunderschön. Bunte Lichter beleuchteten die Schlossfassade. (Bilder: pd.)

Zu ihrem 25-Jahr-Jubiläum lädt das Kyburgiade-Festival zur Erinnerungskultur ein: Musikalische Werke von Vivaldi, Bach, Johannes Strauss oder des italienischen Barocks sind nur einige der Höhepunkte, die vom 3. bis 7. August auf dem Schlosshof der Kyburg präsentiert werden. Laut Stephan Goerner, der seit der Gründung künstlerischer Leiter des Festivals ist, werden zwischen 3500 und 4000 Besucher erwartet.

Das Kyburgiade-Festival feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Was erwartet die Besucher?

Stephan Goerner: Es macht mich stolz, dass das Festival bereits seit 25 Jahren stattfindet. Aus Dankbarkeit gegenüber unserem Publikum wollte ich das Programm besonders farbig gestalten. Deshalb treten auf der Bühne über dem Ziehbrunnen 100 Musiker aus über 20 Ländern auf.

Die Künstler nehmen das Publikum auf eine Reise in den Barock, in die dionysische Ekstase und hin zu den Klangwelten des Wiener Walzers mit. Weshalb haben Sie das Programm so gewählt?

Die Begegnungen verschiedener Kulturen und Epochen bilden oft den roten Faden meiner Programme. Ich möchte starre musikalische Grenzen gegen Perspektiven eintauschen.

Wenn ein klassisch ausgebildeter Musiker die Ernsthaftigkeit ein wenig beiseite lässt und sein Feuer an den restlichen Klängen entzündet, bedeutet das fürs Publikum: staunen, lachen, applaudieren, jubeln und tanzen. Genauso wird es den Zuschauern gehen, wenn Shooting-Star des Cembalos, Jean Rondeau aus Paris, am 6. August auftritt.

Welchen Programmpunkt würden Sie als Highlight bezeichnen?

Obwohl ich mich auf jedes Konzert freue, ist der Auftritt von Marco Beasley ein Highlight. Der Neapolitaner hat sich, mit seinen Interpretationen von italienischen Canzonen und Tarantellen, die er immer wieder auch in zungenbrecherischem Tempo im italienischen Dialekt singt, einen Namen gemacht.

In der Welt des künstlerischen Schaffens ist es nicht leicht, zu überleben. Wie hebt sich Ihr Festival ab?

Es sind zwei Faktoren, die den Erfolg ausmachen: Erstens bietet das zauberhafte Schloss dem Zuhörer einen besonderen Reiz mit seiner mittelalterlichen Kulisse. Zweitens hat auch das Programm ein einzigartiges Flair: Die Kyburgiade möchte das Publikum mit einem Mix aus Klassik und musikalischen Seitensprüngen vergnügen.

Wer ist der private Stephan Goerner?

Ich lebe die eine Hälfte des Jahrs in Ascona und die andere in Zürich. Dazwischen reise ich in viele Länder, sei es als Cellist des Carmina Quartetts oder als Kammermusik-Coach. Ich liebe meinen Beruf.

Trotzdem haben sich die Zeiten geändert. Ich wünsche mir, die Zukunft für junge Musiker und für die klassische Musik allgemein sähe rosiger aus. Darum ist die Musikvermittlung so wichtig geworden: Wir müssen nach neuen Konzertformaten suchen oder unkonventionelle Programme wagen.             

Autor: Carla
De-Vizzi

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