Präventionsfilm von Wetziker Schülerinnen

Weil Männer rasen

Schüler der Berufswahlschule BWSZO in Wetzikon beschäftigten sich mit dem Thema Raserei im Strassenverkehr. Zwei Schülerinnen haben mit ihrem Konzept einen Treffer gelandet. Im Oktober läuft ihr Animationsfilm zur Prävention in den Bussen der VZO.

von
Luca
Da Rugna
Uhr

Die Klasse der BWSZO aus Wetzikon mit den beiden Siegerinnen. (Foto: Luca Da Rugna)

An diesem Nachmittag wird im Schulzimmer gemalt, ausprobiert, getüftelt und konzipiert. Dies obwohl bereits feststeht, dass nur ein Konzept der Klasse verwirklicht werden würde. Projektleiter Urs Urech der Fachstellte «Jumpps» aus Zürich ehrt die beiden jungen Frauen Celia Sauter und Laura Haas als Siegerinnen. Zusammen mit zwei anderen Gruppen gehören die beiden zu den drei Siegergruppen aus mehreren Kantonen.

Insgesamt 16 Beiträge aus den verschiedensten Schulen in der Schweiz wurden bei der Fachstelle eingereicht. Bei den Arbeiten ging es um die Rubriken Rasen, Risiko und die Geschlechterrollen. Auf der Website www.ist-rasen-maennlich.ch sind die Beiträge ersichtlich und mit einem Voting zu den Besten gewählt worden. «Als Lehrerin dieser Klasse ist es natürlich ein gutes Gefühl, zwei Siegerinnen in den eigenen Reihen zu wissen», sagt Fabienne Müller, Lehrerin der Klasse AGM.

Fachstelle «Jumpps»

Das Projekt «Speed – ist Rasen männlich?» der Fachstelle Jungen- und Mädchenpädagogik (Jumpps) versucht Verkehrserziehung und Vermittlung von Risikokompetenz miteinander zu verknüpfen und den Schulen als attraktives Paket anzubieten. «Dieses Projekt befähigt Lehrpersonen und Eltern das Risikoverhalten und Rasen zum Thema zu machen», sagt Urs Urech, der zuständige Projektleiter der Fachstelle. Dabei sollen die Jugendlichen ohne mahnenden Zeigefinger miteinbezogen werden. Unterschiedliche Ansichten und Standpunkte waren den Gruppen erlaubt – das Ziel sei die Reflektion des eigenen Verhaltens. Entsprechenden wurden neue Verhaltensmöglichkeiten im Strassenverkehr eingeübt.

Rasen ist männlich: Diejenigen, die wegen extrem hoher Fahrgeschwindigkeit bestraft werden, sind fast ausschliesslich Männer. Die Motivationen für das Rasen, etwa Risikobereitschaft und Mut zeigen, Adrenalinkick erleben, Konkurrenz eingehen, Stärke und Leistung beweisen, Bezug zum Auto ausleben, hängen laut «Jumpps» eng mit herkömmlichen Männlichkeitsbildern zusammen.

Eigener Animationsfilm

«Für den Wettbewerb mussten wir explizit reale Situationen im Strassenverkehr veranschaulichen», sagen die beiden Gewinnerinnen. Ihr Beitrag besteht aus skizzierten Kurzszenen, die später auf einer Storyboard-Tafel gezeigt werden können – ein «Traffic-Clip». Die Szenen verarbeiten sie mit Hilfe eines Studenten zu einem Animationsfilm, der im Herbst mit einer gezielt präventiven Wirkung in den VZO-Verkehrsmitteln läuft. Die eine Skizze zeigt eine normale Szene im Strassenverkehr, während sich eine Dame auf dem Beifahrersitz schminkt, fährt ihr Partner gemässigt und der Situation angemessen – daraufhin folgt die Leuchtanzeige: «Rücksichtsvoll fahren ist sexy!»

Spiel mit Geschlechterrollen

Das nächste animierte Bild zeigt den Mann und seinen zwinkernden Blick in die Kamera. Die daraus resultierende Message: Der Mann fährt rücksichtsvoll und kommt beim weiblichen Geschlecht gut an. Da auch der Bezug zur den Geschlechterrollen. Der Mann von heute passt sich zuvorkommend dem weiblichen Geschlecht an und nimmt Rücksicht.

Das Ziel ist die Übertragung auf das generelle Fahrverhalten von Männern. Laut Statistiken werden die meisten Unfälle durch Raserei von Männern verursacht. Im Jahr 2016 gab es in der Schweiz laut Bundesamt für Strassenverkehr (Astra) 216 Unfälle mit Todesfolge. Im Jahr 2017 waren es 230. Vielleicht vermag der Traffic-Clip von Celia Sauter und Laura Hass diese Zahlen künftig, zumindest im Zürcher Oberland, gering zu halten.

Autor: Luca
Da Rugna

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