Grossteil der Antennen in Wohnzonen

SP-Frau will Strahlung in Wetzikon reduzieren

Die Wetziker SP-Gemeinderätin Barbara Spiess will wissen, nach welchen Richtlinien der Stadtrat Baugesuche für Mobilfunkantennen behandelt. Ihr Ziel: Der «optimale Schutz» der Bevölkerung.

von
David
Kilchoer
Uhr

Zu viele Mobilfunkantennen in Wetziker Wohngebieten? SP-Frau Barbara Spiess findet schon. (Archivbild: Christian Merz)

5G – das ist die aktuelle Zukunft der Mobilfunktechnologie. Schnelleres Netz, mehr Datenmenge bedeutet das. Und wohl auch neue Mobilfunkantennen. Das bringt die Wetziker Parlamentarierin Barbara Spiess (SP) auf den Plan. Sie sorgt sich, dass mit zusätzlichen Antennen auch die Bestrahlung der Bevölkerung massiv zunehmen wird. Und das sei besorgniserregend, zumal sich die Wissenschaft in Bezug der Gefährlichkeit dieser Strahlen nicht einig sei.

In einer Anfrage an den Stadtrat schreibt sie: «Gemäss Vorsorgeprinzip ist jedoch – wie bei jedem potenziell gefährlichen Stoff – jede unnötige Belastung mit elektromagnetischer Strahlung zu vermeiden.» Damit gibt sie den Tarif ihrer Anfrage klar bekannt. «Bei Baugesuchen für Mobilfunkantennen muss die Gemeinde sicherstellen, dass der Grenzwert, der in der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierter Strahlung festgelegt ist, eingehalten wird. Eine anspruchsvolle Aufgabe!», heisst es weiter.

Kaskadenmodell: Industrie- vor Wohnzone

Dann verweist sie aufs sogenannte Kaskadenmodell, wonach die Gemeinde zuerst Standorte in Industrie, dann in Misch- und erst zuletzt in Wohn- und Erholungszonen für Bewilligungen berücksichtigen darf. In Wetzikon gebe es aktuell 24 Standorte für 49 Mobilfunkantennen. Von denen befänden sich aber nur sieben in Industrie- und Gewerbezonen, die anderen 17 in Wohnzonen. Für Spiess ein klares Indiz dafür, dass das Bauamt das Kaskadenmodell nicht anwendet.

Dazu will sie nun konkret wissen, ob dem Stadtrat das Kaskadenmodell überhaupt bekannt ist und ob es angewandt wird. Und falls nicht, ob sich das in Zukunft ändern soll. Weiter interessiert sie, aufgrund welcher Richtlinie die Stadt die Erstellung von Mobilfunkantennen plant.

Awel-Berichte publizieren

Eine zweite Fragestellung dreht sich um Fachberichte des Amtes für Wasser, Energie und Luft (Awel). Das Amt sei die kantonale Fachstelle für diesen Themenkreis und berate die Zürcher Gemeinden. Bei Baugesuchen für Mobilfunkantennen erstelle es zu jedem Gesuch einen Fachbericht. Eine allgemeinverständliche Zusammenfassung dieses Berichts sollte aus Sicht von Spiess Bestandteil der Auflageakten sein. In ihrer Frage will sie wissen, ob der Stadtrat bereit sei, die Strahlenbelastung und den Awel-Bericht in allgemeinverständlicher Form in der Bauauflage abzubilden.

Dialogmodell: Bislang ohne Wetzikon

Schliesslich geht sie in der Anfrage noch auf das sogenannte Dialogmodell ein. Das Awel bietet den Gemeinden eine Beteiligung daran an. Dabei geht es um eine Vereinbarung der Baudirektion des Kantons mit den drei Mobilfunkbetreibern Salt, Swisscom und Sunrise, in deren Rahmen sich diese verpflichten, angeschlossene Gemeinden jährlich über den aktuellen Stand der langfristigen Netzplanung zu orientieren. Auch Planänderungen sollen dabei kommuniziert und Standorte für neue Antennen bestimmt werden. Bislang beteiligten sich 100 der 166 Gemeinden an diesem Modell. Wetzikon, im Gegensatz zu den Nachbarsgemeinden, aber nicht. «Ist der Stadtrat bereit, die Stadt Wetzikon dem Dialogmodell anzuschliessen?», fragt sie.

Die SP betont in einer Medienmitteilung, dass es ihrer Gemeinderätin nicht darum gehe, den technologischen Fortschritt zu behindern. «Sie will einzig erreichen, dass die Bevölkerung von unnötiger Strahlenbelastung geschützt wird.» Und die Partei ruft den Stadtrat auf, seine Verantwortung bei Baugesuchen für Mobilfunkantennen wahrzunehmen.

Autor: David
Kilchoer

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