Job-Coach aus Wetzikon

«Arbeitgeber zu überzeugen, ist Knochenarbeit»

Sibylle Meisterhans interessiert sich für Menschen, beruflich und privat. Als Job-Coach hilft sie schulisch schwachen Jugendlichen bei der Lehrstellensuche und begleitet sie durch die Ausbildung.

von
Petra
Zillig
Uhr

Sibylle Meisterhans nach einem Kliententermin auf dem Egli-Areal in Wetzikon. (Bild: Petra Zillig)

Die 40-jährige Sibylle Meisterhans aus Wetzikon liebt es, mit Menschen zu arbeiten. Als Job-Coach begleitet sie im Auftrag vom Züriwerk 20 Schüler und Lernende von der Lehrstellensuche bis zum Lehrabschluss. Es sind Jugendliche mit Diagnosen wie ADHS oder Asperger-Syndrom oder mit Lernschwächen, die sie unterstützt.

Meisterhans begleitet die Jugendlichen zu Vorstellungsgesprächen und hilft bei den Schulaufgaben. «Alle Teenager haben eine holprige Schulkarriere hinter sich und brauchen in diesem Bereich Unterstützung», sagt Meisterhans. Manche kämen mit konkreten Berufswünschen zu einem ersten Gespräch.

Die Berufswünsche der Jugendlichen sind vielfältig. Besonders beliebt sind Detailhandel, Bau, Betriebsunterhalt, Pflege oder kaufmännische Berufe. «Die Jugendlichen freuen sich nach einer schwierigen Schulzeit auf das Arbeiten.» Bei schulisch sehr schwachen Schülern arbeitet sie mit einem Steckbrief. Auf einer A4-Seite fasst sie die Ressourcen der Jugendlichen zusammen. Überzeugt sollen die Chefs bei der Schnupperlehre werden. «Arbeitgeber zu überzeugen, ist Knochenarbeit.»

Arbeitgeber verschiebt Pension

Aber es gebe schöne Beispiele aus der Arbeitgeberwelt. «Ich betreue einen Sonderschüler in der 3. Sekundarstufe. Einmal pro Woche arbeitet er mit dem Schulabwart.» Der Jugendliche sei sehr motiviert und mache seine Arbeit gut. Eigentlich wollte die Schule keinen Lehrling mehr einstellen, weil der Betriebsleiter in Pension gehe. Der zukünftige Chef zeigte aber Herz. «Er verschiebt seine Pensionierung, um dem Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen.»

Meisterhans ist nicht nur an Menschen, sondern auch an Nahrungsmitteln interessiert. Auf dem Strickhof in Lindau besuchte sie ein Jahr lang einen Theoriekurs in biologischer Landwirtschaft. «Ich kaufe nicht nur Bio-Produkte ein, aber mir gefällt der ökologische Gedanke.»

Hühner im Garten

Die zentralen Fragen für sie seien, woher die Nahrung komme und was wir mit dem Boden machten. Meisterhans hält fünf Hühner im heimischen Garten. Auch sonst sei sie sehr naturverbunden. «Als Teenager habe ich nicht gern im Garten geholfen, jetzt macht es mir Spass.»

Den Ausgleich zu ihrem sozialen Engagement findet sie in der Natur. Skitouren, Joggen und Wandern seien ihre Leidenschaften. Völlig verrückt sei sie nach den Büchern von Harry Potter. «Ich habe alle sieben Bänder auf Englisch verschlungen.»

Das Soziale lässt sie auch in der Freizeit nicht los. Einmal im Monat hilft sie in der reformierten Kirche in Wetzikon an einem Integrationstreff. Dort gibt sie Migranten und Flüchtlingen Deutsch Unterricht.

Autor: Petra
Zillig

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