Bauernkalender-Casting in Seegräben

Nackte Haut, laszive Blicke und Pferdemist

Auf dem Juckerhof in Seegräben fand am Freitag das Casting für den Bauernkalender 2019 statt. Die Bewerberinnen und Bewerber versuchten die Jury mit knappen Outfits und originellen Mitbringseln zu überzeugen.

von
Fabia
Bernet
Uhr

Cowboyboots, Miniröcke und Strapse. Diese Zusammensetzung assoziiert man im ersten Moment nicht mit der klassischen Arbeitsbekleidung einer Bäuerin. Die Kandidatinnen, die dieses Jahr zum Casting für den Bauernkalender auf dem Juckerhof in Seegräben geladen wurden, präsentieren sich mehrheitlich in diesem Aufzug. Es ist ihre eigene erotische Interpretation des Bauernberufs. 31 Frauen und Männer posieren vor der Kamera und den sieben Jurymitgliedern. Ihr Ziel: Eine der zwölf Kalenderseiten mit ihrem halbnackten Körper zu zieren.

Das Video zum Casting für den Bauernkalender 2019:

(Video: Chiara Coniglio)

Barbara Langenstein aus dem luzernischen Wauwil ist deutlich älter als die anderen Kandidatinnen, die draussen in der Sonne auf ihren Auftritt warten. Sie habe einen Bauern geheiratet, erklärt die 40-Jährige der Jury ihre Motivation am Casting teilzunehmen. Sie fährt sich mit der linken Hand durch ihre blondgesträhnte Kurzhaarfrisur. Die Finger zittern. «Meine drei Kinder wissen nichts davon, dass ich hier teilnehme», sagt sie und zupft dabei an ihrem trachtenähnlichen Oberteil. Sie öffnet die Knöpfe der Bluse. Für die Fotos muss sie mehr nackte Haut zeigen. Bald steht sie im schwarzen Spitzen-BH vor der Kamera und posiert. «Trägst du sonst eine Brille?», will eine Jurorin wissen. «Ja.» «Das sieht man. Du kneifst die Augen zusammen.» «Aber heute trage ich extra Kontaktlinsen», sagt die Casting-Teilnehmerin entschuldigend. Ob es für sie reicht, wird sie erst zu einem späteren Zeitpunkt erfahren. «Erfrischend», quittiert Ex-Mister Schweiz und Bauer Renzo Blumenthal, der auch in der Jury sitzt, den Auftritt.

Die 40-Jährige macht den Platz frei für die nächste Kandidatin, die fast halb so alt ist wie sie selbst. Nadia Affolter aus Bettlach (SO) ist ebenfalls nervös. «Das Reden vor der Jury war fast schlimmer, als das Ausziehen», sagt sie. Die 25-Jährige ist gemeinsam mit ihren drei Schwestern hier. Die Eltern wissen nichts vom möglichen softerotischen Modelauftritt ihrer Töchter. «Ihr könnt ihnen ja dann einen Kalender zu Weihnachten schenken», sagt Blumenthal.

Männer in der Unterzahl

Um die Jury von sich zu überzeugen, lassen sich die Kandidatinnen einiges einfallen. Einige der Frauen scheinen frei nach dem Motto «Weniger ist Mehr» aus der Masse herausstechen zu wollen. Sie wollen zeigen, was sie haben. So eine Kandidatin im schwarzen Spitzenbody mit tiefem Ausschnitt, der nur noch wenig Vorstellungsvermögen verlangt. Ergänzt wird das Outfit mit schwarzen Strapsen und lasziven Blicken. 

Am Casting nehmen nicht nur Frauen teil. Die Männer seien aber klar in Unterzahl, sagt ein Organisator des Castings. Auch sie werden befragt und fotografiert, während sie die Muskeln ihres nackten Oberkörpers tanzen lassen.

Eine Kandidatin wird den Juroren wohl mit ihrer kuriosen Antwort in Erinnerung bleiben. Mit Cowboyhut, Latzhose und kariertem Hemd steht sie, vergleichsweise züchtig, in der Scheune, wo das Casting läuft. Der Fotograf bittet sie, sich ihrer Oberbekleidung ebenfalls zu entledigen. «Nur im BH?», fragt sie ihn. Er nickt. «Ich musste aber meinen Kindern versprechen, dass man nicht viel sieht», erklärt sie den Anflug der Nervosität. Was sich diese Kandidatin unter dem Bauernkalender-Shooting vorgestellt hat, ist unklar.

Der anwesende Fotograf gibt Anweisungen, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer positionieren sollen. Viele haben eigene Requisiten dabei, die zum Teil fast deplatziert erscheinen. So bringt eine Kandidatin eine grosse Schaufel mit Holzgriff mit. Was genau sie aber damit vom sauberen Betonboden wegschaufeln will, ist nicht ersichtlich.

Mit dem Pferd vor die Linse

Jeder der vor der Jury steht, wird vor dem Test-Fotoshooting mit Fragen gelöchert. «Was gefällt dir am besten an dir?», «Wenn du dir einen Monat aussuchen könntest, welchen würdest du wählen?», «Was hat dich dazu bewogen, hier mitzumachen?». Die Antworten der Hobby-Models klingen oft ähnlich. Meist ist es das Lächeln, das ihnen am besten gefällt, häufig war es die Freundin, die einen spontan angemeldet hat. Anders bei Michelle Schürmann aus Luzern: «Es ist schwierig, zu sagen was mir am besten gefällt. Mein Körper verändert sich stets. Im Winter habe ich ein bisschen mehr, im Sommer ein bisschen weniger Speck.» Am meisten mag sie aber ihre Augen. «Die finde ich schon noch wichtig.»

Schürmann tritt nicht alleine vor die siebenköpfige Jury. Sie ist leidenschaftliche Reiterin und hat ihr Pferd gleich mitgebracht. Anders als die 21-Jährige agiert dieses aber weniger selbstsicher vor der Kamera. Das Blitzlichtgewitter, die vielen Menschen und der enge Raum missfallen dem Tier. Ein Schritt vor, einer zurück. Die beruhigenden Worte der Casting-Teilnehmer nützen wenig. Vor Nervosität verrichtet das Pferd sein Geschäft in der Scheune. Schürmann überspielt das mit einem galanten Lächeln. Dumm ist nur, dass die Kandidatin mit der Schaufel bereits wieder weg ist. 

Autor: Fabia
Bernet

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