Bauten für Bienen und Eidechsen

Gossauer Schüler verschönern Asylunterkunft

Eine Gossauer Schulklasse hat in den letzten Wochen das Bord bei der Asylunterkunft in Unterottikon neu gestaltet. Das Projekt ist gut für die Biodiversität und sei auch perfekt gewesen für den Unterricht, sagt der Lehrer.

von
David
Kilchoer
Uhr

Im Bord an der Grüningerstrasse in Unterottikon sitzen ein Dutzend Kinder bei zwei Kleinbaustellen. Ein Junge hebt den Hammer, schlägt auf einen Stein, der zerbricht. Ein Mädchen schnappt sich die Teile und setzt sie auf eine Mauer. Andere Kinder bringen neue Steine vom Karren oben zum Bord. Hier entsteht eine Trockensteinmauer.

Ihr Zweck: Eine Verschönerung des kleinen Hangs an der Durchfahrtsstrasse, neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Und ein Schulprojekt, das Theorie und Praxis mit einem öffentlichen Nutzen verbindet. Die Kinder im Hang sind Fünftklässler der Klasse von Daniel Kobelt aus dem Schulhaus Chapf in Gossau. Das Land gehört zum Werkhofumschwung neben den Neubauten der Asyl- und Notwohnungen, die hier gerade den letzten Schliff erhalten.

Nach Ostern werden die ersten Bewohner einziehen, voraussichtlich vorwiegend Asylsuchende. Vielleicht sind dann auch bereits die Steinmauern bevölkert, mit Eidechsen zum Beispiel. Oder das riesige Wildbienenhaus, das am Südhang aufgebaut wird.

Die Schüler haben hier über mehrere Wochen hinweg gearbeitet, um die Umgebung der neuen Asyl- und Notwohnungen zu verschönern. Aber nicht nur sie. «Das Projekt ist interdisziplinär», sagt Thomas Honegger, Geschäftsführer des Vereins Konkret, der das Projekt begleitete. Er meint damit die Tatsache, dass nebst der Schulklasse auch der Zivilschutz, der Naturschutzverein, ein Zivildienstler, die Gemeinde und Mitarbeiter des nahen Werkhofs daran beteiligt sind.

Bienenhaus, Mauern, Linsen

Der Zivilschutz arbeitete zeitlich vor den Schülern, zersägte Baumstämme, verarbeitete das Holz, baute einen Weg durchs Bord. Dann pflanzten die Kinder zunächst Sträucher, Wildbeeren und andere Pflanzen ein. Eine Woche später bauten sie das Wildbienenhaus. Und letzte Woche stellten sie die zwei Trockensteinmauern fertig. Im Mai wird eine Projektwoche des ganzen Schulhauses diverse Steinlinsen kreieren. Die mit kleinen Steinen und Sand gefüllten Dellen im Boden sollen ebenfalls Tieren wie Eidechsen als Lebensraum dienen.

Lehrer Daniel Kobelt ist angetan vom Projekt. «Ich hörte, dass da eine neue Hecke geplant war. Ich dachte, weshalb nicht etwas mehr draus machen? Ich ging auf den Verein Konkret zu, der solche Projekte begleitet. Gemeinsam wurden wir beim Gemeinderat vorstellig. Der hatte offene Ohren und erwies sich als äusserst grosszügig.»

«Dank der praktischen Arbeiten konnten wir die Theorie erlebbar machen.»

Für die Kinder sei das Thema Grünraum ideal gewesen. «Dank der praktischen Arbeiten hier im Bord konnten wir die Theorie erlebbar machen.» Die Kinder schätzen das. Christian Wäfler (12) sagt etwa: «Ich bin viel lieber draussen als im Schulzimmer. Ich freue mich auch darauf, diese Dinge hier künftig zu pflegen.» Das sieht auch Rohan Bislimovski (11) so. «Auf einer Skala von eins bis zehn gebe ich dem Projekt eine sieben. Ich gehe viel lieber raus, als drinnen zu sitzen.»

Nadine Vonkänel (11) hatte etwa Spass daran, Steine in Form zu klopfen. «Und ich werde hier sicher mal mit meiner Schwester vorbeikommen. Sie will auch sehen, wie es aussieht.» Beryl Huber (11) findet insbesondere das Bienenhaus sehenswert. «Das ist schon echt schön geworden. Aber auch die anderen Arbeiten haben Spass gemacht.»

Saison ist schon fast vorbei

Das Bienenhaus ist über zwei Meter hoch und besteht aus diversen Modulen mit verschiedenen Löchern – eines davon zum Herausnehmen und die Brutform der Wildbienen zu beobachten. «Die Module sind ausschliesslich auf Wildbienen und -wespen ausgerichtet», sagt Honegger. Dass die Bienen dieses Jahr noch einziehen werden, ist indes unwahrscheinlich. «Die Saison ist eigentlich schon fast vorbei. Vielleicht gibts noch ein paar Nachzügler.» Aber er gibt Entwarnung: «Nächstes Jahr dann. Das Bienenhaus hat eine Lebensdauer von mindestens fünf bis zehn Jahren.»

Autor: David
Kilchoer

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