Gossau

Fahnendieb auf dem Waberg

In vielen Stunden Fronarbeit hat der Grütner Dorfverein auf dem Waberg einen Platz der Begegnung geschaffen. Da schmerzt der Raub von zwei Fahnen vom Aussichtspunkt.

von
Monika
Cadosch
Uhr

Bei schönem Wetter sieht man von hier aus vom Bachtel bis zum Pfannenstiel und sogar bis zu den Glarner Alpen. Der rund 700 Quadratmeter grosse Aussichtspunkt Waberg mit dem alten Reservoir ist für Bruno Wüst nicht nur der höchste, sondern auch der schönste Ort in Grüt. Als die Wasserversorgungs-Genossenschaft Grüt und Gossau das Land 2010 an Private verkaufen wollte, zögerte der Präsident des Dorfvereins Grüt deshalb nicht und suchte nach einer Lösung, dies zu verhindern – mit Erfolg (wir berichteten).

Viel Fronarbeit

Seither kümmert sich der Dorfverein um den Unterhalt des Wabergs. Er soll ein Ort der Begegnung sein. In stundenlanger Fronarbeit schnitten die Mitglieder Sträucher zurück und stellten einen Grill, Spielgeräte und eine Fahnenstange auf. Im Herbst 2012 konnte der Platz eingeweiht werden. Sozusagen als i-Tüpfelchen hisste Wüst zwei Fahnen; eine mit Grüt-Wappen, eine mit Schweizer Kreuz.

Vor zwei Wochen wurde der Freude von Bruno Wüst und des Dorfvereins über die rege Nutzung des Aussichtspunkts jedoch ein herber Dämpfer verpasst. Die zwei Fahnen wurden gestohlen. «Das ist mühsam», sagt Bruno Wüst. An einen Lausbubenstreich glaubt er eher nicht, da der Täter einen Inbusschlüssel für die Verriegelung dabeihatte.

Zeugen gibt es keine, obwohl der Waberg mitten in einem Wohngebiet liegt. Auch zur Polizei ist Wüst nicht gegangen, dafür sei der Aufwand zu gross. «Es geht mir nicht um den finanziellen Wert, sondern ums Emotionale; die Arbeit und die Freude, die dahintersteckt.» Bei unserem Besuch auf dem Waberg entdeckte Wüst noch etwas: Auf zwei Bildchen des Holzmemories hatte jemand fein säuberlich eine 1:12-Propaganda geklebt. «Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben. Hier geschehen schon seltsame Dinge», meint er und kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken.

Brief an den Dieb

Wüst will den Fahnendieb mit einem offenen Brief motivieren, seine Beute zurückzugeben. Der Brief wurde im Zentrum von Grüt und beim Waberg auf­gehängt sowie auf der Website des Vereins veröffentlicht. «Ich rechne uns keine grossen Chancen aus, aber man weiss ja nie», meint Wüst. «Wir warten sicher bis Neujahr ab, ob sich der Fahnendieb meldet. Vielleicht hat auch noch jemand eine Fahne im Keller, die er uns gerne spendet.» Ansonsten werde er zwei neue besorgen. Im Frühling richten junge Eltern einen Sandkasten auf dem Waberg ein. Spätestens dann sollen die Fahnen wieder wehen.

Autor: Monika
Cadosch

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